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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Florin Callerand

Wir wenden uns an Maria, die hier gegenwärtig ist, uns nahesteht, und sagen zu ihr:

„Du, unvergleichliches Meisterwerk des schöpferischen Wortes,
Neues Geschöpf, geformt vom Heiligen Geist,
Kind aus Galiläa, Wächterin der Morgenröte,
Sehr feines Ohr, offen für den Hauch des Rufes,
Großes Segel, entfaltet im Wind des Himmels,
Maria, wecke in uns die Aufmerksamkeit für den Gott, der spricht!“

Natürlich ist die Struktur Mariens, ihre wesentliche Struktur, die Ausgießung eines göttlichen Wortes. Und der große Unterschied zwischen den Worten Gottes und den Worten des Menschen besteht darin, dass die Worte Gottes das verwirklichen, was sie sagen, während die Worte des Menschen schöne Dinge sagen, Komplimente, Ermutigungen, aber sie sind nicht schöpferisch. Wenn Gott spricht, lässt er etwas entstehen, er geht hinein und mit ihm! Deshalb ist Maria ein einzigartiges Meisterwerk.

Und nun ist sie ein neues Geschöpf, denn es gibt das alte Geschöpf, sagt der heilige Paulus. Was ist der Unterschied zwischen dem Alten und einer zweiten Schöpfung, die euch zu einem neuen Geschöpf macht? Eine Überflutung vom Heiligen Geist, dem Geist der Propheten, dem prophetischen Atem, der in ein Wesen kommt, das bereits durch das schöpferische Wort ins Dasein gerufen wurde, der prophetische Atem, der von innen heraufsteigt. Dieser Atem, der euch ins Leben ruft, lässt euch die Dinge so sehen und fühlen, wie Gott sie sieht, fühlt und verwirklicht. Ihr werdet zu etwas Neuem, zu einem Geschöpf aus Fleisch, einem Geschöpf aus Geist, einem äußeren Geschöpf, einem inneren Geschöpf, einem alten Geschöpf, einem neuen Geschöpf.

Wir wissen sehr gut, was es heißt, ein „altes Geschöpf” zu sein. Es kommt oft vor, dass wir feststellen müssen, dass wir keinen Funken Heiligen Geistes in uns haben. Aber wir existieren trotzdem. Wir existieren nicht ganz schlecht. Wir bekommen unsere Rente, wir haben ein schönes Auto, einen schönen Park, schöne Ferien, aber kein bisschen göttliche Vitalität, die uns zu bebender Anbetung, zu begeisterter Hoffnung, zu göttlicher Freude führt, die wir bereits jetzt besitzen... Altes Geschöpf!

Ich denke, wenn Sie zu Exerzitien kommen, dann weil Sie tief in Ihrem Inneren auch vom Heiligen Geist durchdrungen sein und diese zweite Stufe des Atems empfangen möchten. Sehen Sie sich das Gleichnis an, das ich gerade aufbaue: eine zweistufige Rakete. Da ist der erste Motor, der sie antreibt, dann der zweite, der diese Rakete dort abholt, wo sie gerade ist, und sie in die Umlaufbahn bringt. Nehmen wir an, es gäbe keinen zweiten Motor und keinen Zündvorgang... Was macht die erste Stufe der Rakete? Sie fällt zurück. Sie kann nicht starten. Ein fleischlicher Mensch gelangt nicht zu Gott, aber ein Mensch, in dem der zweite Schub des Heiligen Geistes wirkt, ist ein Mensch, der den Trost Gottes erfahren wird, die Gemeinschaft mit Gott, die Neuheit aller Neuheiten oder den Trost aller Tröstungen.

Für Maria in Nazareth ist etwas Ähnliches geschehen. Ich weiß natürlich, dass dieses Gleichnis nicht ganz zutreffend ist, da sie bereits vor der Verkündigung vom Heiligen Geist erfüllt war und seit ihrer Empfängnis eine Schwingung in ihr verspürte, deren sie sich anfangs natürlich nicht bewusst war. Aber in welchem Alter kam sie zur Vernunft, wie man so sagt? Mit vier Jahren, mit sechs Jahren, ich weiß es nicht. Wie dem auch sei, der Heilige Geist mit und in ihr lebte gut zusammen, und das Kind war bereits ganz auf die Dinge Gottes ausgerichtet.

Als dann die Verkündigung stattfand, kam ein neuer Hauch in sie. Da ist diese Stimme, die zu ihr spricht, da ist diese Öffnung, die ihr angeboten wird, und schließlich öffnet sie ihr großes Segel weit und wird in ein Abenteuer hineingezogen, in dem sie nun noch intensiver Gott lebt.

„Kind von Galiläa, Wächterin der Morgenröte”.

Es ist doch merkwürdig, dass dieser Ausdruck „Wächterin der Morgenröte” einfach eine verschönerte, poetische Übersetzung des hebräischen Wortes „Nazrath”, Nazareth, ist. Nazareth bedeutet „die Wächterin”. Wer war Maria zum Zeitpunkt der Verkündigung? Maria fand, dass es so nicht weitergehen konnte!

Wenn Maria in Nazareth nicht innerlich von einer Inspiration heimgesucht wird, die ihr das Geheimnis, ihr eigenes und das der Welt, offenbart, bleibt Maria gefangen.

 

REIMS. Der Engel der Verkündigung.

Die Inspiration muss kommen, sie ist unser persönlicher Schatz. Ein Mensch ohne Inspiration ist ein Mensch, der unter seiner Schädeldecke gefangen ist, unabhängig von seinen wissenschaftlichen, politischen, symbolischen oder anderen Genialitäten.

Worum geht es? Um den Ewigen, der zu uns kommt, in uns wohnt und uns feste Dinge schenkt. Maria von Nazareth, als Apokalyptikerin, wartete darauf, dass Gott in ihr die Offenbarung erfülle und ihr und der Welt das Heil bringe. Denn Maria – das ist ihre Gnade und ihr Reichtum – hatte es satt, eine Frau wie alle anderen Frauen zu sein. Und sie hatte es satt, dass alle Frauen Frauen waren, wie sie selbst eine Frau war. Sie wollte das Göttliche im Menschsein, und ihr Wunsch brachte die Inspiration hervor, die sie erfüllte und ihr die Antwort gab.

Gott kann nur durch den Wunsch unserer Herzen mobilisiert werden und ist nur durch ihn mobilisierbar. Aber warum? Weil Gott wesentliche Freiheit ist und in keiner Weise Druck ausüben kann. Hätte Maria nicht gewünscht, hätte sich der Engel niemals getraut, sich ihr zu nähern. Es ist offensichtlich, dass Inspiration nicht in uns kommt, weil wir sie nicht wünschen. Wollen wir wirklich inspiriert werden? Verstehen wir, was das erfordert? Inspiriert zu sein bedeutet in erster Linie, sich für Neues zu öffnen. Nun wissen wir aber, dass es nichts gibt, wie das Sprichwort sagt, was der menschlichen Natur so viel Angst macht wie die Akzeptanz einer neuen Idee. Inspiration bedeutet eine Umwälzung der Schemata, der Sichtweisen, des Wissens, der Liebe, der Arbeit: vielleicht eine völlige Umkehrung unserer Orientierungen. „Ich bin lieber nicht inspiriert, so bleibe ich mir selbst treu“... Vorsicht!

Zweitens: Wenn Sie eine Inspiration erhalten, sollten Sie sich im Voraus darüber im Klaren sein, dass diese nicht nur für Sie allein bestimmt ist, sondern dass Sie diese Inspiration verkünden, niederschreiben und mit anderen teilen müssen. „Ich bin bereit, eine Inspiration, eine Gnade zu empfangen, aber wie Marius sagte: ‚Ich behalte sie für mich. Das ist der Tod. Seien Sie unbesorgt, Gott wird es nicht zweimal versuchen. Da Sie nichts an andere weitergeben, wird Gott jemand anderen suchen, der es weitergibt.

Es gibt viele Dinge, über die man nachdenken muss. Beten bedeutet, sich an Gott und an den anderen zu wenden, und empfangen bedeutet, zu teilen. Es wird keine Inspiration geben, wenn wir nicht bereit dazu sind.

„Ein sehr feines Ohr, offen für den Hauch des Rufes“,
„Wächterin der Morgenröte“,
„Großes Segel, offen für den Wind des Himmels“.

Sie kennen sicherlich den genialen Schachzug von Papst Pius XII., der die Liturgie des Geheimnisses der Himmelfahrt für den 15. August neugestaltete und als Evangelium die Erzählung der Heimsuchung einfügte. Maria hat gerade die Botschaft erhalten, sie ist seit einigen Tagen schwanger, denn das Evangelium sagt uns, dass sie sich eilig auf den Weg machte. Josef ist ihr Ehemann, und als Hochzeitsgeschenk schenkt sie ihm drei Monate Abwesenheit und eilt davon. Sie hat sich dennoch die Zeit genommen, sich von ihm zu verabschieden, aber das muss sehr schnell gegangen sein.

„Großes Segel, entfaltet im Wind des Himmels“ ... Sie musste die Botschaft weiter- tragen, und mehr noch als die Botschaft, ihre Ausstrahlung. Natürlich wusste Joseph Bescheid; natürlich hat er nichts unternommen, um sie zurückzuhalten; er muss einen Esel gemietet oder Maria einer Karawane von Pilgern oder Händlern angeschlossen haben, die nach Jerusalem aufbrachen. Dennoch muss man, wenn der Geist weht, gehorsam sein. Heilige kann man nicht zurückhalten. Seht euch Jeanne d'Arc an, was für ein Abenteuer dieses Mädchen erlebt hat! Sie muss aufbrechen, mit einem unglaublichen Risiko! Sie bricht auf ...

„Maria, wecke in uns die Aufmerksamkeit für den Gott, der spricht”.

 

Florin Callerand
16. August 1994



Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz