/image%2F4632785%2F20260310%2Fob_d00134_210425-olivier.jpg)
Johannes der Täufer ist jemand, dessen ganzes Leben nur auf das Kommen des Messias ausgerichtet ist, das ist alles. Der Sinn seiner Predigten, der Sinn seines Wirkens besteht darin, die Menschen dazu zu bringen, sich selbst von dieser Erwartung, von der Erwartung Christi, leiten zu lassen. Und er ist sich einer Sache bewusst: Seine Popularität birgt die Gefahr, dass die Menschen ihn mit Christus verwechseln. Um alle Argumente auszuräumen, mit denen die Institution ihn hätte beunruhigen können, aber auch damit die Menschen, die zu ihm kommen, ihn hören, sagt er von vornherein: „Ich bin nicht Christus.“ Das bedeutet, dass es für ihn wichtiger ist, sich für den zu interessieren, der in diesem Moment würdig ist, als für seine eigene Identität: Christus. Die Frage betrifft nicht ihn. Und man wird ihn nicht verstehen, wenn man sich nicht für Christus, den Messias, interessiert. Deshalb sagt er von Anfang an: „Ich bin nicht Christus.“ Johannes der Täufer ist vor Jesus da, er geht Jesus voraus, sodass er „der Vorläufer“ genannt wird, derjenige, der vorauseilt. Sie wissen, was ein Cursor (Läufer) ist, aber er ist der Vorläufer, das heißt, der Cursor ist nicht auf ihm, man darf sich nicht täuschen.
Das ist auch heute für uns sehr wichtig, denn wir alle haben „Johannes den Täufer“ auf unserem Weg. Wir alle hatten einen Vater, eine Mutter, einen Großvater, einen Freund, einen Katecheten, eine Katechetin, egal wen, aber immer jemanden, der uns vorausgegangen ist und uns diese Begegnung mit Christus ermöglicht hat. Erinnert euch an die Namen und Gesichter, denn sie sind Geschenke. In der Bibel kann man sie Engel oder Gesandte nennen, da das Wort Engel „Gesandter” bedeutet. Es handelt sich nicht unbedingt um einen kleinen, pausbäckigen, himmlischen Vogel mit einem kleinen Bauch... das sind die barocken Engel, aber in der Bibel ist ein Engel meist ein von Gott gesandter Mensch. Und auf mysteriöse Weise weiß man nicht, wie er dorthin gekommen ist, aber er kommt gerade recht, denn er ist von Gott gesandt.
So haben wir alle „Johannes den Täufer“ in unserem Leben, und in gewisser Weise wird der Glaube weitergegeben, wenn wir uns auf dieses Spiel der Mission des Täufers einlassen. Jeder von uns kann ein Johannes der Täufer für einen anderen oder für andere sein, wenn wir Verantwortung tragen, wie zum Beispiel die Predigt oder einen Dienst in der Kirche als Priester oder Diakon oder die Verantwortung als Seelsorger oder andere. Irgendwo gibt es also immer diese Figur des Dienstes von Johannes dem Täufer, die auftaucht. Und da ist es sehr wichtig zu sehen, wie er sich verhält, denn wenn wir nicht sehen, wie er es macht, wenn wir nicht so handeln wie er, werden wir kein Johannes der Täufer sein, sondern ein Guru. Und es ist von entscheidender Bedeutung, von Johannes dem Täufer zu hören, dass er Christus und sich selbst sofort voneinander trennt. Er sagt: „Ich bin es nicht“, das bedeutet: „Ich stehe nicht im Mittelpunkt, man soll nicht auf mich schauen, man soll auf jemand anderen als mich schauen“. Er sagt dies umso mehr, als er spürt, dass alle Scheinwerfer, alle Kameras, alle Fotoapparate auf ihn gerichtet sind. Er zerschmettert diesen Blick, der sich auf ihn konzentriert. Eines der Merkmale des Wirkens von Johannes dem Täufer, seiner Art zu sein, ist es, sich immer aus dem Mittelpunkt zu nehmen, immer.
Man fragt ihn: „Wer bist du, denn wir müssen denen, die uns geschickt haben, eine Antwort geben, wir können nicht mit leeren Händen zurückkehren, wir haben ein Formular, das wir ausfüllen müssen, also in welches Feld sollen wir dich eintragen?“ Er antwortet mit einem absolut genialen Ausdruck und sagt Folgendes: „Ich bin die Stimme dessen, der in der Wüste ruft: Bereitet den Weg des Herrn, macht ihn gerade. Wie der Prophet Jesaja gesagt hat, ich bin die Stimme ...“ Das ist absolut genial, denn die Stimme ist nicht das Wort; die Stimme ist diese Schwingung, dieser Klang, der es ermöglicht, das Wort zu hören. Wenn er sagt: „Ich bin die Stimme“, hat man den Eindruck, dass er sagt, es gäbe nichts zu sehen: „Man darf nicht lange bei mir verweilen. Man muss hören, was ich sage, und ich vibriere nur, ich klinge nur, aber ich bin nicht das Wort.“ Und tatsächlich ist es ein bisschen wie eine Off-Stimme, also eine Stimme, die man in bestimmten Theaterinszenierungen hört, man hört nur die Stimme, es gibt keine Figur auf der Bühne. Das ist interessant, denn um gut zu hören, muss man, da man niemanden sieht, die Augen schließen und diese Worte in sich selbst schwingen lassen. Folglich ist derjenige, der die Stimme ist, zwar notwendig, aber weniger wichtig als die Worte, die in mir nachhallen. Also rückt Johannes der Täufer sich wieder einmal völlig aus dem Mittelpunkt weg.
Ich möchte Ihnen einen Text vom heiligen Augustinus vorlesen. Augustinus, ein großer Seelsorger und Prediger, hat außergewöhnliche Dinge gesagt.
Auszüge aus der Predigt des hl. Augustinus zur Geburt Johannes des Täufers
Johannes war die Stimme, aber der Herr war am Anfang das Wort. Johannes war eine Stimme für eine bestimmte Zeit; Christus war das Wort am Anfang, das ewige Wort. Nimm das Wort weg, was ist dann die Stimme? Wo es nichts zu verstehen gibt, ist sie ein leerer Klang. Die Stimme ohne das Wort trifft das Ohr, sie erbaut nicht das Herz.
(…) Wenn ich nach einem Weg suche, wie das Wort, das bereits in meinem Herzen ist, zu dir gelangen und sich in deinem Herzen festsetzen kann, benutze ich die Stimme, und mit dieser Stimme spreche ich zu dir: Der Klang der Stimme bringt die im Wort enthaltene Idee zu dir; dann ist es wahr, dass der Klang verhallt; aber das Wort, das der Klang zu dir gebracht hat, ist nun in deinem Herzen. (…) Der Klang der Stimme hat seinen Dienst erfüllt und ist verschwunden.
Es ist schwer, das Wort von der Stimme zu unterscheiden, und deshalb hat man Johannes für Christus gehalten. Man hat die Stimme für das Wort gehalten; aber die Stimme hat sich zu erkennen gegeben, um dem Wort nicht im Wege zu stehen. Ich bin nicht der Messias, nicht Elija und nicht der Prophet. Man antwortet ihm: Wer bist du dann? Er antwortet: Ich bin die Stimme, die durch die Wüste ruft, es ist die Stimme, die die Stille durchbricht. Bereitet den Weg für den Herrn, das bedeutet: Ich rufe, um den Herrn in euer Herz zu lassen; aber er kann nicht kommen, wenn ihr den Weg nicht bereitet.
(…) Johannes gibt euch ein Beispiel für Demut. Man hält ihn für den Messias, er bekräftigt, dass er nicht das ist, was man denkt, und er nutzt den Irrtum anderer nicht aus, um sich selbst zu profilieren.
„Er nutzt die Fehler anderer nicht aus, um sich selbst zu profilieren!“ Wissen Sie, es gibt Menschen, die die Fehler anderer ausnutzen, um sich – ohne zu sagen „Ich bin Christus“ – an die Stelle Christi in den Herzen der Menschen zu setzen. Und das ist sehr schlimm, und es ist nicht die Schuld der Menschen, die Fehler machen! Denn wir Menschen sind so beschaffen: Wir sind alle Schafe ohne Hirten, in unterschiedlichem Maße, je nach den Umständen unseres Lebens, aber wir sind alle wie Schafe ohne Hirten. Wenn also jemand mit der Stimme eines Hirten spricht, wenn jemand in der Lage zu sein scheint, Truppen zu führen, ein Anführer ist oder Charisma hat usw., dann ist der sofortige Reflex, sich ihm zuzuwenden. Und wenn wir ein wenig zerbrechlich sind, uns in einer Situation innerer, emotionaler oder anderer Not befinden, sind wir in der Lage, diese Menschen an die Stelle Christi in uns zu setzen. Es gibt jedoch nur einen Hirten, und es liegt in der Verantwortung desjenigen, der spricht, der an dieser Stelle steht, „Nein” zu sagen und den Fehler anderer nicht auszunutzen, um den Platz Christi einzunehmen. Das ist das Gebiet der Gurus, sogar innerhalb der Kirche. Es gibt jedoch nur einen Mittler: Christus. Wir können alle, und keiner mehr als der andere, Mittler Christi sein, aber Mittlerschaft ist keine Eigenschaft von Menschen, sondern eine Handlung in einem bestimmten Moment, durch die etwas von Gott für jeden anderen durch uns hindurchgeht, aber sie ist begrenzt, vorübergehend und ein geschwisterlicher Dienst, nichts weiter.
Die Kirche selbst sagt, wenn sie von ihrem eigenen Geheimnis spricht: Erstens gibt es nur ein Sakrament, nämlich Christus; zweitens ist die Kirche „gewissermaßen” – beachten Sie die Vorsicht und Zurückhaltung: „gewissermaßen” – das Sakrament der Einheit der Menschheit und der Einheit der Menschen mit Gott. Aber niemals sagt sie, dass sie das Sakrament Gottes ist! Es gibt nur Christus. So kann kein Mensch als Sakrament Gottes betrachtet werden. Andererseits haben wir alle durch unsere Taufe, durch Christus, der in uns wohnt, in bestimmten Situationen die Fähigkeit, etwas von Gott zu vermitteln, etwas von Gott füreinander zu verkörpern, mehr nicht. In der spirituellen Tradition wird dies auch als Sakrament des Bruders bezeichnet. Aber beachten Sie Folgendes: Gerade, weil es das Sakrament des Bruders ist, bedeutet dies, dass wir alle von dieser Fähigkeit betroffen sind und dass keiner dem anderen überlegen ist. Wir sind nur Brüder zueinander, nichts weiter als das: Brüder sein! Außerdem ist das Sakrament der Brüderlichkeit eine Realität, die in der Tradition der Kirche immer zuerst den Armen bezeichnet: den, der hungert, der durstig ist, der nackt ist, der im Gefängnis sitzt... (vgl. Mt 25)
Ich sage hier intensive Dinge, die vielleicht etwas zu schnell gesagt sind, aber heute sehr wichtig sind. Die Figur Johannes des Täufers ist großartig, weil er sich sofort distanziert. Und genau darin liegt der Beweis für eine authentische Mission der Weitergabe: die ständige Anstrengung, die Entschlossenheit, sich in jedem Augenblick von Christus zu distanzieren und nur ihn allein in den Mittelpunkt zu stellen; er allein ist fähig, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit, des Glaubens, der Frömmigkeit, von allem zu stehen. Christus allein! Und es ist eine Täuschung zu suggerieren: „Du wirst Gott nur durch mich kennenlernen.“ Das ist das Gegenteil von dem, was Johannes der Täufer sagt, der den Blick von sich ablenkt. Es ist eine schwere Täuschung, eine schwere Usurpation (widerrechtliche Inbesitznahme, die Übersetzer). Und diese Gefahr lauert auf jeden.
Papst Franziskus hat Maßnahmen ergriffen, um einen bestimmten Klerikalismus zu bekämpfen, der eine Form dieser Usurpation darstellt, einen Klerikalismus, der nicht nur die Geistlichen, sondern manchmal auch die Laien befällt. Man muss ehrlich sagen, dass dies kein Monopol der Geistlichen ist, auch wenn es leider so scheint, als wären wir in dieser Hinsicht etwas spezialisiert. Aber der Klerikalismus, eine Art Monopol und Exklusivismus (religionstheologisches Modell, das die eigene Religion als einzig wahre und heilsbringende betrachtet, die Übersetzer), der jemanden an die Stelle Christi setzt, ist die Quelle allen Missbrauchs. Klerikalismus kann es in Familien geben, nicht nur in der Kirche.
Es gibt noch viel zu sagen. Johannes der Täufer ist für mich eine Figur, die heute angesichts der Schwierigkeiten, mit denen die Kirche und unsere Gemeinschaften zu kämpfen haben, wieder an Bedeutung gewinnt.
P. Olivier SOURNIA
Mittwoch, 11. Februar 2026
Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz
Crée en moi un coeur pur (Psaume 50) (CD Tissage d'or n°4)
/https%3A%2F%2Fwww.chantonseneglise.fr%2Fcache%2Fh_xs%2Falbum%2F3902913390201_13756234.jpg)
Crée en moi un cœur pur (psaume 50)
https://www.chantonseneglise.fr/chant/26389/cree-en-moi-un-coeur-pur-psaume-50
Um den Text des Liedes zu sehen "Crée en moi un coeur pur" (Psaume 50)
/image%2F4632785%2F20260504%2Fob_e268c8_plan-de-travail-1.png)
