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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Florin Callerand
Veröffentlicht in : #singen

Jesaja 49,8-15
So spricht der Herr: Zur Zeit der Gnade habe ich dich erhört, am Tag des Heils habe ich dir geholfen. Ich habe dich geformt, dich eingesetzt, damit du der Bund des Volkes bist, um das Land wieder aufzurichten, die verwüsteten Erbschaften zurückzugeben und den Gefangenen zu sagen: „Kommt heraus!“, den Gefangenen der Finsternis: „Zeigt euch!“ Entlang der Straßen werden sie weiden können; auf den kahlen Höhen werden ihre Weiden sein. Sie werden weder Hunger noch Durst haben; der heiße Wind und die Sonne werden sie nicht mehr treffen. Er, voller Mitleid, wird sie führen, er wird sie zu den lebendigen Wassern leiten. Aus allen meinen Bergen will ich einen Weg machen, und meine Straße soll erhöht werden. Hier sind sie: Sie kommen von weit her, die einen vom Norden und vom Sonnenuntergang, die anderen aus dem Land im Süden. Himmel, jauchzt vor Freude! Erde, jubelt! Berge, springt auf mit Jubel! Denn der Herr tröstet sein Volk; seiner Armen erbarmt er sich. Jerusalem sagte: „Der Herr hat mich verlassen, mein Herr hat mich vergessen.“ Kann eine Frau ihren Säugling vergessen und keine Zärtlichkeit mehr für den Sohn ihres Leibes empfinden? Selbst wenn sie ihn vergessen würde, ich werde dich nicht vergessen.

Mit der Auswahl eines Stücks aus dem zweiten Lied vom Gottesknecht des Propheten Jesaja in der heutigen Liturgie möchte die Kirche, dass wir wissen, dass selbst wenn es unmöglich wäre, dass eine Mutter die Frucht ihres Leibes vergisst, Gott, der mehr Mutter ist als alle Mütter zusammen - denn die Mütter sind das Ebenbild Gottes -, ihn nicht vergessen würde. Das ist gewollt, so ist Gott, und es ist vibriert von dieser Zärtlichkeit Gottes für uns. Das ist es, was wir nach dem Willen der Kirche über die Prüfungen unseres Lebens im Allgemeinen hören sollen. Glauben Sie nicht, dass Gott ein trockenes Wesen ist. Gott ist ein Bauch. Gott, das ist eine Gebärmutter. Gott, das sind Zitzen!

Im Johannesevangelium wird immer von der Brust des Vaters die Rede sein und vom Sohn, der sich in sie hineinwirft. Das ist das Wort, der Sohn, der das Wort Gottes ist, ist nicht nur der Brust des Vaters, seinem Schoß, zugewandt, sondern er stürzt sich auch hinein. Das ist sein Wohnsitz. Das geht sehr weit! Der christliche Philosoph Blondel sagte dieses für einen Philosophen erstaunliche Wort, und es ist ein Gleichnis: „Als Gott die Welt erschuf, machte er in seinem Schoß eine Vertiefung, um sie darin unterzubringen.“ Wir kommen nicht aus dem Schoß Gottes heraus, egal welche Prüfung in unserem Leben auf uns zukommt, und die mütterliche, viszerale (innere) Schwingung Gottes ist uns ewig erhalten. Und wie könnte Gott, der mehr Mutter als alle Mütter ist, die Aussicht akzeptieren, dass eines seiner Kinder, ein einziges, verloren gehen könnte? Befragen Sie eine Mutter, die Schwierigkeiten mit ihren Kindern hat. Es gibt keinen Weg, sie kann nicht mehr glücklich sein, solange ihr Kind nicht glücklich ist! So ist es auch mit Gott.

Wir befinden uns hier am entgegengesetzten Ende dieser philosophischen Darstellung von Gott, die uns Gott als Schöpfer mit seinem mathematischen Gehirn zeigt, der Rechnungen aufstellt, die Welt ins Leben ruft und sich von ihr distanziert. Die Welt ist also von Gott abgehoben, sie ist ein Energieknäuel, das Gott vor sich hergetrieben hat und das er mit einem Fernglas beobachtet, um zu sehen, was dort in der Ferne passiert, aber er ist nicht betroffen, er wertet nichts.

Dieses 49. Kapitel des zweiten Jesaja ist das zweite Lied vom leidenden Knecht. Das erste Lied ist das 42. Das dritte Lied ist das 50. Das 4. Lied, das jeder auswendig kennt, ist das berühmte Lied vom leidenden Knecht, das sich die Kirche für die Passionszeit aufhebt. Aber es ist dieses vierte Lied, das die Tonart für alle vorhergehenden vorgibt und das uns enthüllen wird, warum dieser Knecht den Trost durch die Versicherung der mütterlichen Zärtlichkeit Gottes für ihn, für das Volk, für das ganze Universum sehr nötig hat. Denn was hier gesagt wird, steht in Verbindung mit der Mission, die der Diener, das Kind - es ist das gleiche Wort in der Septuaginta, im Griechischen „pais“, das bedeutet „Kind“ und auch „Diener“ - vom Vater erhalten hat.

Was ist die Mission, die schon im ersten Lied des Knechtes hervorbricht? Welcher Auftrag, der immer derselbe ist, bricht in jedem dieser vier Gesänge des Knechtes hervor? Und warum braucht dieses Kind Gottes so viel Trost, indem es sich auf Gottes Mutterschaft für ihn beruft:Es ist zu wenig, dass du mein Kind bist“, sagt der Vater zu ihm, „es ist zu wenig, dass du mein Kind bist mit dem Ziel, die Stämme Jakobs aufzurichten ...“. Es ist die Zeit der babylonischen Gefangenschaft, in der das gesamte Volk Israel von Judas dorthin in die Ebenen Mesopotamiens verschleppt wurde. „Es ist zu wenig, dass du mein Kind bist, um die Überlebenden Israels zurückzubringen, den kleinen Rest, der zurückkehren wird. Du bist mein Kind, um das Licht der Nationen zu sein und damit mein Heil die Enden der Erde erreicht.“ Alle Nationen werden „meine Kinder“ werden! Das ist also die Aufgabe des Gotteskindes, des berühmten Dieners Jahwes...

GIOTTO, Jesus vor Kaiphas


Und wegen dieser Mission des Universalismus, des Heils für alle - Gott lässt niemand aus - wird er von seinen rassistischen Glaubensbrüdern getötet. Wir befinden uns mitten im Fall des Stephanus, und wie im Fall des Stephanus befinden wir uns auch im Fall Jesu Christi. Der Trost, den Jesus in Gethsemane erhält: „Ich bin deine Mutter, ich, der ich dein Vater bin. Du bist nicht vergessen. Fahre fort! Geh bis zum Ende, sei das Licht der Völker! Mein Atem der Ewigkeit, er ist bereits in dir. Du bist schon auferstanden, halte durch! ...“. Und mit dieser Ausrüstung der Gewissheit der uterinen Eingeweide Gottes für ihn wird dieser zweite geheimnisvolle Jesaja, den man „den Knecht Jahwes“ nennt, bis zum Ende gehen, wenn wir im 53. Kapitel sehen, dass er von den rassistischen Juden Babyloniens massakriert wird. Stephanus, dieser, Jesus...

Ah, keine Angst. Wenn die Mission, die darin besteht, den Henkern selbst, den Mördern, das Heil zur Veränderung ihrer Herzen anzubieten, wird euch aus reaktivem Neid die Verfolgung derjenigen bringen, die angeblich Kinder Gottes sind. Freut euch also, ihr werdet das letzte Wort haben! Stephanus hatte das letzte Wort. Der Diener Jahwes hatte das letzte Wort, denn er hatte Nachfolger, und die Nachfolger, das sind die Anawim, das sind Leute wie Maria und Josef. Und so wird es in der gesamten Geschichte sein. Es sind die Opfer, die in der Lage sein werden, die Herzen ihrer Peiniger und Verfolger zu verwandeln.

Ah! Wer ist denn Gott? So ein Gott! Deshalb haben wir in diesen Liedern des Dieners Jahwes im Alten Testament die höchste Spitze der Offenbarung, die Jesus am Kreuz und seinen Sieg ankündigt. Dieses Herz der Herrlichkeit, das Maria teilt und das sie fähig macht, zu sagen: „Vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun.“ Dieses Herz der Herrlichkeit, in Stephanus, am Boden seiner Steinigungsgrube, das ihn fähig macht zu sagen: „Herr Jesus, rechne ihnen diese Sünde nicht an.“ Und er entschlief, nicht mit einem Rachegrinsen gegenüber seinen Mördern, sondern mit dem Schlaf eines Kindes. „Ich bin es, der gewonnen hat“, sagte Jesus am Kreuz, “tetelestai!“ (auf Griechisch bedeutet dies „Es ist vollbracht“). Und das sagt auch Stephanus, als er in seiner Grube liegt. Paulus ist also der Besiegte von Stephanus.


Florin Callerand
Mittwoch, 1. April 1987


Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz

Si Dieu est pour nous, qui sera contre nous ? (CD Tissage d'Or n°6)