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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Olivier Sournia
Veröffentlicht in : #Außergewöhnlicher Brief

Liebe Freunde!

Seit fast einem Monat hallt das Drama des Krieges vor den Toren Europas wider. Nun ist es auch vor unseren Haustüren präsent, mit mehreren Millionen Flüchtlingen, die nach einem Dach über dem Kopf und einem Land suchen, in dem sie ihre Wurzeln schlagen können, und darauf warten, in ihre Heimat zurückzukehren, wenn dieser mörderische Wahnsinn vorbei ist. Aber wann...?

Am 2. April werden 170 ukrainische Flüchtlinge in unseren Wänden sein! So wird das Haus voll sein, von Woche zu Woche, bis zum Sommer... Es ist dieses entsetzliche menschliche Drama, das in unsere Mauern einbricht und unser ganzes Leben auf den Kopf stellt. Wir sind dem Aufruf gefolgt, den die Präfektur über die Diözese Besançon an uns gerichtet hat, um diese Kriegsflüchtlinge in La Roche d'Or aufzunehmen. "Wie soll das geschehen…"? Maria fordert uns zur Kühnheit des Glaubens in der Torheit des Geistes auf! Ab Ende dieser Woche wird ein erster Bus mit 50 Personen für einige Tage bei uns Zuflucht finden, bis die staatlichen Stellen ihnen eine würdige und stabile Unterkunft geben und sie mit den Rechten und dem Schutz ausstatten, die für ihre Anwesenheit auf französischem Boden während der gesamten Kriegszeit erforderlich sind.

Sie haben es natürlich schon erraten: Diese Aufnahme zwingt uns dazu, alle geplanten Exerzitien in La Roche d'Or bis Juni abzusagen. Glücklicherweise haben wir die Gnade, den so schönen Ort Les Fontanilles zu nutzen, und können den Großteil der Exerzitien dorthin verlegen, insbesondere die Karwoche und die Exerzitien an Christi Himmelfahrt-Pfingsten. So können wir unsere Verkündigung des Wortes an diesem Ort konzentrieren und intensivieren. Ich lade Sie daher ein, in den nächsten Tagen das geänderte Programm von März bis Juni aufmerksam zu studieren und in Ihren Herzen die Provokation des Geistes zu empfangen, diese oder jene andere Exerzitien zu erleben.

Wir sind uns bewusst, dass es für einige von Ihnen, die bereits in La Roche d'Or angemeldet sind, schwierig sein wird, sich nach Les Fontanilles zu begeben. Nach zwei Jahren Gesundheitskrise aufgrund des Covid und langen Monaten, in denen die Exerzitien nicht stattfanden, verstehen wir Ihre Enttäuschung, vor allem in diesen so unruhigen Zeiten, in denen Sie uns so oft Ihren Durst nach dem Empfang des Wortes mitteilen. Wir sind sicher, dass Sie verstehen werden, warum wir nicht gezögert haben, diesen Menschen unsere Gastfreundschaft anzubieten: 80% Frauen und Kinder, die ihre Häuser, ihre Ehemänner, ihre Söhne, ihre Brüder, ihre Väter zurückgelassen haben, in der völligen Ungewissheit, ob sie sie jemals wiedersehen werden...

Deshalb haben wir Ja gesagt, nicht im Widerspruch zu unserem Auftrag, das Evangelium zu verkünden, sondern gerade wegen Jesus und dem Evangelium: "Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen; ich war nackt, und ihr habt mich bekleidet; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen". Wir sind Erben eines Geschenks der Gastfreundschaft, das von Florin, Françoise und Roger weitergegeben wurde, der dieses Geschenk in jedem unserer Häuser auf wunderbare Weise entfaltet hat. In der gegenwärtigen Situation ist es uns gegeben, sie in neuen und unerwarteten Harmonien fruchtbar zu machen. Diese Gastfreundschaft ist eine andere Art, das Evangelium zu verkünden und das Wort zu verkörpern. Aber wir lassen die Predigt selbst nicht fallen, im Gegenteil! Es ist dringender denn je, die Kraft eines Wortes weiterzugeben, das die Welt vor allem unter den dramatischen Umständen dieses Krieges und vieler anderer Situationen in unserer Welt so sehr braucht. Seit Florin im Jahr 1950 ist es dieses Wort, das uns existieren lässt.


Unser Gemeinschaftsleben beginnt und betritt ein neues Unbekanntes... Im Glauben schreiten wir voran. Aber ist es nicht eine Ermutigung von Florin, die ersten Ankömmlinge in dieser Woche des 24. Jahrestages seines Überganges und des Festes der Verkündigung Mariens zu begrüßen...? "Weiter, weiter, alles ist vorne!"... Das Unbekannte ist der Weg, Christus ist das Licht und der Horizont.

Gestern betete Françoise mit uns diese Strophe der Hymne an Maria:

"Regenbogen,
Übersprung des Friedens, der alle Grenzen überwindet,
Land der Gastfreundschaft, Zelt der Zusammenkunft,
O Maria, zeige mir, wie ich mich dem anderen öffnen kann".

Danke, liebe Freunde, dass Sie all dies im Gebet und in der Hoffnung tragen, in Maria, der Mutter der ganzen Menschheit-

Olivier Sournia


Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz