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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Olivier Sournia
Veröffentlicht in : #Außergewöhnlicher Brief, #singen

Liebe Freundinnen, Liebe Freunde,

Es ist für uns eine Notwendigkeit, mit euch in diesem Moment der sanitären Krise In Kontakt zu treten. Ich tue dies im Namen der ganzen Gemeinschaft, die zurZeit in den drei Häusern von Roche d'Or, den Fontanilles und in Russey mit Roger Robert und Françoise Porte beschränkt ist. Die so schnelle und heftige Entwicklung der Epidemie des Covid-19 kann bei vielen Gefühle der Furcht und Einsamkeit hervorrufen, die sich der sozialen Angst hinzufügen, welche seit einigen Monaten in Frankreich und der ganzen Welt so gegenwärtig ist. Deshalb möchte ich mit diesem Brief vor allem unsere Nähe und Freundschaft mit jedem von euch zum Ausdruck bringen. Wisst, dass ihr selbst eingeschränkt in eurer Bewegungsfreiheit nicht alleine seid. Unsere Herzen sind euch zugewandt in der Hoffnung, dass niemand von der Krankheit heimgesucht wird und im Gebet, dass ihr im Frieden und Vertrauen verweilt.

Schon letzte Woche haben wir den Beschluss gefasst, alle Einkehrtage bis zum 20. April abzusagen und haben diejenigen unter euch, die sich angemeldet hatten davon benachrichtigt. Aber die Dinge entwickeln sich sehr schnell weiter: unser Land hat die individuelle Bewegungsfreiheit für vorerst vierzehn Tage auf ein stricktes Minimum beschränkt, und wir wissen nicht, um welchen Zeitraum sich diese Situation verlängern kann. In Einheit mit unseren Bischöfen von Besançon und Perpignan befolgen wir die Anordnungen der zivilen und politischen Verantwortlichen, die wir eurem Gebet anvertrauen. Ihre Aufgabe ist nicht leicht...

Wie ihr wisst, verlangt diese Situation der eingeschränkten Bewegungsfreiheit von uns eine große Folgsamkeit : sie ist die beste Art und Weise, die Auswirkungen des Virus, den die Wissenschaft noch nicht beherrscht, zu hemmen. Wie könnten wir nicht alle Wissenschaftler und das gesamte Pflegepersonal intensiv unterstützen! Viele von euch sind Ärzte, Krankenpfleger/innen, Apotheker/innen... und stehen somit in vorderster Front: seid versichert, das wir euch in unser tägliches Gebet einschließen. Herzlichen Dank für das, was ihr tut: durch euch ist es Jesus, der sein Leben gibt, auf das wir leben. Ich denke hier an das wunderbare Gleichnis des barmherzigen Samariters: "Im Innersten betroffen ging er zu ihm hin, behandelte seine Wunden mit Öl und Wein und verband sie. Dann setzte er ihn auf sein eigenes Reittier und brachte ihn in das nächste Gasthaus, wo er sich um ihn kümmerte." (Lk 10, 34)

Zum ersten Mal seit Bestehen von La Roche d'Or wird es in der Karwoche keine Einkehrtage geben... und auch nicht die ganzen sich anschließenden Frühlingswochen. Das tut uns, wie auch euch zutiefst weh. Tatsächlich haben viele bereits zum Ausdruck gebracht, wie sehr sie auf diesen Moment warten, um neue Kraft zu schöpfen, schwere Situationen zu teilen und anzuvertrauen, um aus dem Wort wie aus einer Quelle mitten in der Wüste zu trinken. Wir sind uns dessen bewusst... und für uns ist die Trauer um so größer, als unser ganzes Leben auf die Weitergabe und Verkündigung des Evangeliums ausgerichtet ist, jenes wunderschönen Evangeliums, das seit 1950 in unserem Haus erklingt....

Deshalb wollen wir euch aber nicht ohne Nahrung lassen. Ab diesem Donnerstag, dem 19. März, wird zum Fest des heiligen Joseph ein Blog online gestellt, in dem ihr Texte findet, die euer Vorwärtsschreiten bereichern. Hier ist die Adresse: http://communautedelarochedor.over-blog.com. Diese Nahrung kann zu der dank des Internets bereits bestehenden hinzugefügt werden, und unter anderem empfehle ich euch die täglichen Messen des Papstes, die (live um 7 Uhr morgens oder zeitversetzt) auf www.vaticannews.va übertragen werden.

Außerdem können wir euch angesichts einer Situation, in der viele die Gegenwart Gottes selbst in Frage stellen, nicht genug anraten, das Buch von Florin Callerand, Das Drama der Welt[1] , zu lesen, in dem Françoise Porte Texte und Herzensschreie eines Florin aufgreift, der "tief vom Drama Gottes, Gefangener der Welt, die er geschaffenen hat, betroffen ist": "Völlig eingewurzelt in dieses Ausgeliefertsein, das, von der Krippe an bis zum Kalvarienberg seine Verletzlichkeit hinausschreit, spricht Florin die Worte des schrecklichen heutigen Tags, ungeschminkt, lebendig, betrübt und doch schon siegreich über das Unheil, denn er geht bis zu den Wurzeln des Übels, das die wahre Identität Gottes und damit das Antlitz des Menschen verunstaltet."[2]. Ich bin sicher, dass er in der Lage sein wird, jeden mit seiner eigenen Hellsichtigkeit zu trösten und so ein echter Wegbegleiter in diesen unruhigen Zeiten zu sein.

Diese Coronavirus-Krise erhebt unseren Blick auf globale Dimensionen. Zum ersten Mal scheint die ganze Welt gegen einen gemeinsamen Feind vereint zu sein. Die Kriege, die über Kontinente hinweg Blutbäder anrichten, scheinen in den Hintergrund zu treten - aber entspricht dies wirklich der Realität? Neue Solidaritäten entstehen, geschwächte soziale Bindungen werden wieder hergestellt oder gestärkt. Es stellen sich jedoch viele Fragen, die zwar die echte Bewunderung für die, die sich engagieren nicht auslöschen, aber es ist dringend notwendig, in all diesen Situationen den Blick Jesu zu suchen und anzunehmen. Können wir, Christen, vorgeben, eine andere Sichtweise oder ein anderes Verhalten zu haben als er?

Diese Zeit der Prüfung und der Abgeschiedenheit fällt für uns mit der Fastenzeit zusammen. Um davon zu sprechen, benutzt die Tradition gerne das Bild der Wüste, Ort der Prüfung, in dem das Volk Israel in der Verbundenheit der Herzen mit seinem Gott die Kraft seiner Liebe Tag für Tag als Quelle erlebt hat. Jesus selbst eröffnete sich einer Frau aus Samaria in der trockensten Stunde des Tages als die Quelle des lebendigen Wassers. Wir spüren in der Gemeinschaft den drängenden Ruf Jesu, in ihm unseren Durst zu stillen, um in der Durchquerung dieser Situation die kraftvolle und durstlöschende Frische seiner Freundschaft zu finden. Mehr denn je hallt die eindringliche Bitte Jesu am Abend seiner Passion, die Roger uns unermüdlich übermittelt: "Bleibet bei mir", an der Tür unserer Herzen wider... In persönlicher, gemeinschaftlicher oder familiärer Isolation macht sich Jesus zum diskretesten und sichersten Gefährten, der darauf brennt, seine Freundschaft mit uns zu teilen. Das Evangelium ist der Ort, aus dem wir unermüdlich die Schönheit und Kraft seiner Gegenwart schöpfen können. Es ist auch Nahrung für ein innig erneuertes Leben, das Leben unseres Glaubens, das Leben unserer Beziehungen. "Geht und trinkt an der Quelle und wascht euch dort" ...

Abschließend möchte ich all jenen danken, die, nachdem sie bereits über die Annullierung der Einkehrtage, für die sie angemeldet waren, informiert wurden, ihre Freundschaft und Solidarität mit uns zum Ausdruck gebracht haben. Ich danke Ihnen für ihre von Herzen kommenden Worte, die so echt und tröstend sind. Danke auch an diejenigen, die erraten haben, was das Aussetzen der Einkehrtage für uns finanziell bedeutet, und die sich spontan entschieden haben, uns zu helfen.

Seit ihren Anfängen vor fast 70 Jahren hat die Gemeinschaft von La Roche d'Or die Himmelfahrt Mariens als eine ständige und persönliche Heimsuchung im tiefsten Bewusstsein eines jeden erfahren. Diese "Kleinigkeit, die extrem wichtig ist", wie Florin sagte, motiviert nicht nur unsere Verkündigung des Evangeliums, sondern unsere gesamte Lebensweise. Es ist diese mütterliche Nähe - die wir für uns selbst empfinden - voll der Zärtlichkeit Gottes, die uns in diesem Augenblick euch nahebringt: Möge Maria euch begleiten, euch trösten und in euch Vertrauen und Hoffnung erneuern!

P. Olivier Sournia

 

Text ins Deutsche übersetzt von Yann Nolle


[1] Florin CALLERAND Aufzeichnungen und Gespräche, 4.1 – Schau doch alles mit mir zusammen an ! Das Drama der Welt 2001, übersetzt 2012, 112 seiten.

[2] Das Drama der Welt, s.22

 

"Ecoute cette présence", CD Tissage d'or 6 (Communauté de la Roche d'or)