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"Maria Magdalena stand am Grab, draußen, und weinte." Dieser Jesus, den Maria Magdalena liebte, ist gestorben. Sie weint über diese große Leere in ihrem Inneren. Und ihre Trauer verdeckt wie ein Vorhang das, was sie vor Augen hat... Manchmal ist die Trauer so stark, dass sie uns die Sicht versperrt. Maria Magdalena muss über diesen Kummer hinwegsehen können, aber wie?
"Sie sieht zwei Engel in weißen Kleidern, die sitzen, der eine zu seinem Haupt, der andere zu seinen Füßen, an der Stelle, wo der Leib Jesu gelegen hatte." Der einzige Ort, an dem sie gerne lebte, war mit ihm, in seiner Ausstrahlung, in seinen Worten. Sie lebte bereits von ihm, in ihm, aber jetzt klafft eine Lücke in ihrem Inneren. Wegen der Trauer und des Schmerzes kann sie noch nicht ypüren, dass sie von einer großen Zärtlichkeit erfüllt ist. Der Kummer ist so stark, dass sie gerade noch die Engel sehen kann. Sie sind wie die, die einst die Bundeslade bedeckten, einer an seinem Kopf und einer an seinen Füßen, um die ganze Gegenwart, die ganze Herrlichkeit Gottes, die sich dort befand, auszudrücken. Da sagten die Engel: "Frau, warum weinst du? Warum diese Trauer, mit der du dich um dich selbst drehst.
„Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo man ihn hingelegt hat, wenn du ihn weggenommen hast", sagte sie zu diesem Jemand hinter ihr, den sie kaum ansieht, sag mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn holen. Auch wenn ich nur noch seine Überreste habe, ist es immer noch das, was mir von seiner Anwesenheit geblieben ist". Sie weint wieder und sieht diese Gegenwart hinter sich nicht.
Aber es ist Jesus, der da ist. Bei all‘ dem Kummer, wie kann er dann erkannt werden? Wie Gott es immer tut, spricht er unseren Namen aus. Der Autor hat die aramäische Phonetik beibehalten: "Mariam". Nur Jesus konnte diesen Namen aussprechen, mit all dieser Zärtlichkeit, all dieser Anerkennung in seinem Inneren. Es war dieser Blick Jesu, der Maria Magdalena vor allen möglichen Irrwegen gerettet hatte, indem er ihr ihre innere Quelle offenbarte.
Wenn Jesus ihren Namen "Mariam" ausspricht, ist das nicht einfach eine Identität, sondern er lässt seine Gegenwart in ihr aufsteigen, die sie hält und trägt. Er offenbart eine Tiefe in ihr, sie ist nicht allein, sie ist bereits bewohnt. Im Buch der Offenbarung sagt uns Johannes, dass wir einen geheimen Namen haben und dass nur die Person, d. h. jeder von uns, diesen geheimen Namen, diesen intimen Namen wahrnimmt. Es gibt nur die Person und Gott.
Jeder Mensch erfährt Gott auf einzigartige Weise. Es gibt keine zwei Menschen auf der Erde, die eine identische Erfahrung machen können. Jeder Mensch ist jemand. Viele Menschen haben noch nicht erkannt, dass sie jemand sind. Wir werden oft in der Anonymität von Menschenmengen gefangen, wir haben ein Gesicht, aber die Leute achten nicht darauf, es rutscht ab. Wenn es aber Jesus ist, der unseren Namen ausspricht, dann ist das die Entdeckung einer Sanftheit, die Menschen nicht hervorbringen können. Es ist eine Sanftheit, eine intime Berührung Gottes, die einen von innen heraus durchdringt, etwas absolut Erstaunliches, das uns wirklich erlaubt, ohne Angst zu leben. Es gibt dieses Eindringen Seiner intensiven, freundlichen, unendlich sanften Gegenwart und man weiß, dass man nie getrennt werden kann. Niemals. Weil unser Herz von Ihm besucht wird, können wir hören, er hat unsere prekäre Existenz in einer Zuneigung von je her und für immer zum Klingen gebracht.
Maria Magdalenas Zuneigung zeigt sich in einem verdoppelten Elan, sie will Jesus ergreifen und er sagt zu ihr: "Halte mich nicht zurück, warte, warte, ich bin noch nicht zum Vater aufgestiegen, du kannst mich nicht aufnehmen, wie du mich früher aufgenommen hast, denn es ist mein Vater, der meine Gegenwart in das Herz eines jeden Menschen gleiten lässt. Ich steige auf zu meinem Vater und eurem Vater".
"Ich steige hinauf" bedeutet, dass Jesus in die Fülle der Gegenwart seines Vaters eintritt. Jetzt sagt er zu dieser Frau und Jüngerin, die ihn liebt: "Nur der Vater kann mich in eurem Herzen erscheinen lassen".
Jesus ist das Geschenk Gottes. "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er uns seinen Sohn gegeben hat, damit wir im Vertrauen auf ihn nicht zugrunde gehen." Wenn wir mit Jesus verkehren, entdecken wir, wie der Vater diesen staunenden Blick auf seinen Sohn in uns hineingleiten lässt. Anstatt ihn von außen zu betrachten, empfangen wir den Blick Gottes, der sagt: "Meinen Sohn schenke ich euch", und er schenkt ihn jedem Menschen auf eine einzigartige Weise. Nur wenn wir Jesus aufnehmen, dessen Gegenwart der Vater in uns aufsteigen lässt, hören wir diese Worte. "Mein Vater ist euer Vater. Ihr werdet ihn eines Tages entdecken". Er ist die ursprüngliche, "originäre" Quelle eines jeden.
Jesus sagt: "Nun wisst ihr, wer Gott ist, er ist mein Gott und euer Gott." Sein Gott ist unser Gott. Sein ganzes Leben, alles, was er getan hat, alles, was er gesagt hat, alles an ihm hat uns gesagt, wer Gott ist.
"Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen..." Da läuft Maria Magdalena ganz aufgelöst los, um es den Jüngern zu sagen. Was werden sie verstehen? Wenn man die Erfahrung nicht gemacht hat, hört man nur Worte. Aber sie sehen das Gesicht dieser Frau. Diese strahlende Schönheit, das, was in der Stimme dieser trauernden Frau liegt, die jetzt bewohnt ist, das löst bei Petrus und Johannes den Impuls aus, zum Grab zu gehen.
Nur Petrus geht hinein. Was sieht er dort? Etwas, das ihn mit Erstaunen erfüllt: Das, was den Körper Jesu bedeckte ist da, die Binden, mit denen seine Glieder gefesselt waren, das große Leinentuch, auf das man seinen Körper gelegt hatte, sind da. Als ob das Volumen, das sein Körper einnahm, verschwunden wäre... Und die Tücher sind in sich selbst plattgedrückt. Nur das, was von der Person erzählt, steht abseits. Dieses Tuch, das man um das Gesicht rollte, um den Mund geschlossen zu halten und diesen Abdruck zu bewahren, man hat darauf geachtet, es gut zu rollen. Für einen Juden erinnert ein so gerolltes Tuch sofort an die Tora, die Bibel.
Johannes, der geliebte Jünger, sieht dieses Tuch, das das Gesicht bedeckte, zusammengerollt wie die Gesetzesrollen. Dann tritt er ein, weil er entdeckt, dass es nicht mehr ein geschriebener Text ist, durch den man Zugang zu Gott hätte, sondern das Gesicht Jesu, das die einzige Offenbarung Gottes ist.
Roger Robert
Ostersonntag, den 16. April 2017
Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz
"Parole d'Amour de notre Père", CD Tissage d'or 3 (Communauté de la Roche d'or)
Um den Text des Liedes zu sehen "Parole d'Amour de notre Père"
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