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Gestern schossen mir Tränen in die Augen, während ich einen Arizona Corsica Zweiglein in der Hand hielt, der vom Baum abgetrennt worden war. Ich fragte mich, was mir geschah! Ich empfand im schmerzerfüllten Herzen eine gefühlte Sympathie für dieses Zweiglein von solcher Feinheit und der Zartheit pflanzlicher geklöppelter Spitzenkunst..., noch lebend!
Es war warm, der harzige Saft triefte noch der Baumrinde entlang: das Blut dieses Baumes floss immer noch. Das Leben Gottes, seine Dreifaltigkeit, erschien mir in diesem Spross wie in einem kostbaren Sakrament! Ich versuchte also, für dieses Zweiglein das zu sein, was Gott für es war. Aber was tun? Ich erging mich in Entschuldigungen, weil es abgerissen worden war. Es waren keine hinfällige Entschuldigungen. Ich sagte ihm:
„Ich werde dich am jüngsten Tag auferwecken! Du liegst nicht umsonst in meiner Hand! Gottes Zärtlichkeit für dich und die meinige für dich werden vereint eine Frucht bringen, die dich am Großen Tag entzücken wird! Unser letztes Wort ist nicht gesprochen! Aber ich will dir jetzt schon danken, denn deine Farbe, deine Beschaffenheit, dein harziger Saft, dein sonniger Felsenduft haben mir, wie eine Erscheinung in dir, die Zärtlichkeit des Ewigen offenbart …“
Zwischen dieser Pflanze und meinen Fingern entspinnt sich ein Zwiegespräch! Wie lange habe ich sie gestreichelt! Die Zärtlichkeit Gottes lag in meiner Hand. Meine Zärtlichkeit wollte ihr antworten und fühlte sich ihr gegenüber verantwortlich!
„Ich möchte dich gerne wieder pflanzen. Ich möchte dich wieder auf den Zweig aufpfropfen, von dem du abgetrennt wurdest! Ich fühle, dass dies jetzt unmöglich ist. Ich habe aber eine andere, noch wunderbarere Fähigkeit, die mir Christus geben wird, nämlich diejenige, dich aufzuerwecken. Paulus versichert mir, dass du diese geheimnisvolle Sprache verstehst. Denn, so sagt er, er hat „das Seufzen der ganzen, der Vergänglichkeit unterworfenen Schöpfung“ gehört (Römer 8). Ich weiß, dass du auf den Tag wartest, an dem ich mich für dich als Sohn Gottes offenbaren werde. Ich werde dir dann zeigen, wozu ich fähig bin! Wenn Christus mich durch die Gabe seiner eigenen Auferstehung auferweckt haben wird, werde ich sie dir meinerseits schenken und mit dir teilen!“
Plötzlich hörte ich von meinen Fingerspitzen her ein „Danke!“ kommen. Dieser harzige Saft, nach Korsika duftend, hatte mir soeben „Danke!“ gesagt. Und er fügte hinzu: „Einverstanden, ich will gerne bis zu diesem Augenblick warten!“
Es war kein Traum, keine Halluzination, sondern eines dieser in die Ewigkeit drängenden Dinge, die der wissende Geist im Schoss des gegenwärtigen Augenblicks erfahren lässt. Gleichzeitig erhielt ich einen Rat vom Heiligen Geist, der es nicht erträgt, dass seine Kinder vor angeblich unabänderlichen Tatsachen in der Traurigkeit der Entmutigung verharren!
Im auferstandenen Christus ist alles aufgezeichnet. Im Heiligen Geist, der sehend und hörend macht, wird jegliche Form des Guten, das, kaum aufgeblitzt, rasch vom Fluss der vergehenden und unwiederbringlichen Zeit fortgerissen zu werden scheint, für immer vermerkt und eingraviert. Paulus versichert uns, dass alles Übel von der wieder erschaffenden Kraft der Auferstehung Christi behoben sein wird, von der Kraft, an welcher die Auferstehung der schon durch ihn Erweckten mitwirken wird, gleichsam sich dazu hinzufügend!
Christus antwortet mir vom ganz nahen und innigen Himmel zu allem, was ich diesem Zweiglein sage, tue und verspreche: „Einverstanden, wir kümmern uns darum!“ Der Tag der endgültigen und allumfassenden Auferstehung-Verklärung wird kommen. Dieses Zweiglein hat mich soeben das verwegene Anteilhaben an diesem „Gott alles in allen seinen Geschöpfen“ erahnen lassen (1. Korinther 15). Ich sah Ihn gleichsam aus jedem dieser Zweiglein, aus jedem dieser kleinen gelben Punkte, aus jeder dieser blauen Fasern heraustreten! Paulus, hingerissen, verblüfft uns seinerseits mit seiner Offenbarung, dass, wenn unsere Verklärung die Angelegenheit Christi sein wird, die Verklärung der Welt unser krönendes Meisterwerk sein wird!
Die von Zärtlichkeit erfüllte Beziehung des Vaters zum Sohn und des Sohnes zum Vater: der Heilige Geist, einzige und endgültige Erklärung der Welt von deren Anfang bis zu deren Vollendung, ruft uns auf, alle unsere gegenwärtigen Beziehungen wie vorwärtsgerichtet, auf „die Hoffnung auf die Herrlichkeit“ Stärkung aller Stärkungen, Heiliger Geist, Fürsprecher-Beistand, der du die Sache der Auferstehung des Menschen und der Elemente der Welt verteidigst und gewinnst, es hat sich also ereignet, dass ich dich in einem ganz blauen Arizona Corsica zweiglein höre und wirken sehe!“
Florin CALLERAND, 27. Januar 1989
« Das Drama der Welt » © 2001
S.43-51
Text ins Deutsche übersetzt von Marie-Françoise CHRISTEN
"Notre Dame des petites sources", CD Tissage d'or 5 (Communauté de la Roche d'or)
Notre Dame des petites sources - Blog von La Roche d'Or
http://communautedelarochedor-de.over-blog.com/2022/10/notre-dame-des-petites-sources.html
Um den Text des Liedes zu sehen "Notre Dame des petites sources"
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