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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von Isabelle Peillon
Veröffentlicht in : #im Laufe der Zeit

Brief an Olivier, Danièle und die ganze Gemeinschaft von La Roche d'Or, an Roger, Françoise und die kleine Gemeinschaft von Russey,

 

Ich freue mich, Euch im Herzen dieser unvorhersehbaren Erfahrung, die wir erleben, wieder zu treffen... Seit meiner Rückkehr von der Roche d'Or letzte Woche gab es überall viel zu erledigen, aufzugreifen und in Ordnung zu bringen. Aber von Tag zu Tag dringen wir immer tiefer in den Realismus der heutigen Situation ein. Weil unsere Bedingungen in den Fontanilles heute optimal sind, wenn wir die Nachrichten hören, die zahlreichen Kontakte per E-Mail oder Telefon, so gibt uns alles die Möglichkeit, über alles Bescheid zu wissen, was geschieht und was wesentlich ist: dramatische Situationen, Anfragen, Anrufe, Differenzierungen, Hoffnungsschreie, Berichte von Betroffenen, alles nährt eine innere Arbeit, die nicht aufhören soll.

 

Vorgestern, auf dem Rückweg nach Mas Quinta, wurde ich, bevor ich das Haus betrat, von einem seltsamen, leicht eisigen Eindruck ergriffen, der meinen ganzen Körper durchzog... ein kurzes Gefühl von Angst, das sich schnell auflöste. Mich ergriff der Druck einer ungewöhnlichen Stille. Nicht, dass dieser Ort im Alltag laut ist, ganz im Gegenteil, aber aus dem Tal steigt immer ein leiser Hintergrund von Geräuschen auf.

 

Da, nichts! Kein Auto, kein Wind, nicht einmal der Schrei eines Tieres! Eine einhüllende Stille, schwerfällig... in der Nacht. Nichts bewegt sich, jeder ist in sein Haus zurückgezogen in diesem seltsamen Krieg...

 

Als der empfindliche Schauder verflogen war, habe ich mich überwunden und mein Herz hat sich erweitert.

 

Dieses Schweigen lud mich ein, rief mich. Es war notwendig, mich gehen zu lassen, tiefer in mich einzutauchen, einfach dazustehen, nach und nach Gesichter wieder zu treffen, Menschen, die in der Tiefe mir begegneten. Die Nacht wurde weniger schwer.

 

Nach und nach öffnete mir diese Stille meine Wahrnehmung vom Tal mehr als die übliche Geräuschkulisse. Die Abwesenheit von Lärm ließ mich umso mehr mit all jenen verbunden sein, die in ihren Häusern eingesperrt sind und in Erwartung, Angst oder gar Beklemmung oder manchmal auch unbewusst warteten...

 

Ich spürte ein Bedürfnis, noch tiefer in mich zu gehen. Da findet der andere seinen Platz in mir. Dort müssen wir zusammenhalten; "dabei sein", die Verbindung halten, unaufhörlich.

 

Für viele ist die Situation chaotisch, furchtbar schwer und lässt den hilflos zurück, der nicht die Gewissheit hat, dass jeder von dem Einen gehalten wird, der nie loslassen wird.

 

Hier, um mich herum, nehme ich manchmal ein wenig Spannung wahr, die unter einer gewissen Erregung, unruhiger oder besorgter Stille versteckt ist, vor allem aber eine Kraft der Güte, die wirkt und sich durchsetzt. Meine Energie sammelt sich, um sich auf sie zu konzentrieren, damit sie ihren vollen Platz einnimmt, denn ich kenne ihre Quelle!

Die Anwesenheit von Jacky und Joëlle ist wirklich gut, wir kommen gemeinsam voran. Wir treffen uns zu den Zeiten rund um das WORT, beim Zuhören, beim Mittagessen und bei der Arbeit und kümmern uns um das Haus und den Park. Dankbarkeit für all dies. 

 

Was wird morgen sein? Niemand weiß es. Die scheinbare Ruhe unserer Gegend ist sicher nicht mehr lange da, das Virus klopft an die Tür... Wir müssen den Rückzug  noch viele Tage lang aufrechterhalten.

 

Während ich dies schreibe, kann ich sehen, was dieser seltsame und schreckliche „Krieg“ machen kann... Unsere Wurzeln werden das lebendige Wasser tiefer suchen, die Blätter werden es spüren. Aber der Frühling ist noch nicht da... er lässt sich nur erahnen.

 

Wie kann ich Euch sagen, dass Ihr inmitten von all dem mir tief gegenwärtig seid? Für mich ist es wie ein Strom lebendigen Wassers, der mich in jeder Hinsicht anregt... Alle Nachrichten, die uns erreichen, bringen uns zusammen und nähren uns. Wir beten mit Euch.

 

 

Ich umarme Euch mit all meiner Zärtlichkeit...

 

Isabelle mit dem gesamten Hausgemeinschaft von Fontanilles.

 

Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz