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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Florin Callerand
Veröffentlicht in : #Texte von Florin, #singen

Wir empfehlen Euch diesen Text von Florin, geschrieben 1994 am Tag nach dem Untergang der estnischen Fähre in der Ostsee, bei dem 800 Passagiere ums Leben kamen.

 

„Lassen wir die Oberfläche! Und ohne die Welt zu verlassen…“, den Sturm, den Schiffbruch, das Erdbeben, „lasst uns in Gott versinken.“ (P. Teilhard de Chardin)

 

Wie? Gott ist in den Erdbeben? Aber nicht doch! Habt Ihr je sagen hören, Gott sei in den Erdbeben? Habt Ihr je gehört, Gott sei in den Schiffbrüchen? Nein?! Was dann? Solange Ihr nicht bis in die theologischen Auswirkungen des schöpferischen Aktes vordringt, der im Voraus die Erdbeben und die Schiffbrüche einbezieht, solange Ihr nicht in das Geheimnis der Tiefen Christi, des Auferstandenen, eingetreten seid, der sich nun, in der Herrlichkeit des Ostertages in die stürmischen Wogen des Baltischen Meeres, in die Winde der Stärke von 150 km in der Stunde, in die Fähre begeben hat, deren Kiel nicht mehr trägt, solange Ihr nicht mit Christus, dem Auferstandenen, und mit Maria, der in den Himmel Aufgenommenen, in den Schlund der feuerspeienden Vulkane, in die Lavaströme gestiegen seid, die aus den Vulkanen in der Nähe von Manila emporschießen, solange Ihr Euch nicht in die Dramen kosmischen Ausmaßes begeben habt, solange Ihr die Oberfläche nicht verlässt, um in die Tiefe einzudringen und den Schöpfer-Gott, den Retter-Gott zu entdecken; was wird die Kirche der Welt zu sagen haben? Dazu zu schweigen ist fürchterlich! Was wurde über die Zustände in Ruanda wirklich gesagt? Wurde der Sinn für das Geheimnis der Tiefen Gottes geöffnet? Lassen wir’s!

 

Zu sagen wäre, dass in dieser Nacht, als dieses sinkende Schiff achthundert Personen im Baltischen Meer in den Ertrinkungstod riss, dass sie alle in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen wurden. Eine grandiose Bluttransfusion hat stattgefunden. Eine grandiose Übertragung neuer Energie hat sich ereignet! Was mich über alle Maßen empört ist die Tatsache, dass man sich angesichts solcher Geschehnisse nicht getraut, von der allumfassenden Verantwortung des Schöpfergottes zu sprechen, von der Verantwortung Christi, des Auferstandenen, von der Allgegenwart Marias, der in den Himmel Aufgenommenen, und von deren Wirken in allen, die nun in die Tiefe Gottes fallen. Nein, es geht nicht einfach wie bisher weiter. Es ist die zweite Schöpfung, die sie erfasst. Der göttliche Rettungsdienst funktioniert. Und das ist das Evangelium des Heils, das Evangelium der Auferstehung, sofort, hier und jetzt. Allen Leuten, die in Stockholm oder in Estland in den Häfen auf Verwandte warten, die nicht mehr kommen und die sie nicht mehr sehen werden, ihnen müsste gesagt werden, dass jetzt schon, in der Verborgenheit ihres Herzens, Austausch und Verbundenheit herrschen und dass Himmel und Erde vereinigt sind.

 

Sie sind den letzten Weg gegangen, und was wir eine „Katastrophe“ nennen (weil wir an der Oberfläche verharren), ist für sie in Wirklichkeit eine „Anastrophe“, nämlich der Übergang vom ersten Zustand der in allen physikalisch-chemischen, räumlich-zeitlichen Gesetzen gefangenen Existenz, die notwendigerweise, auf die eine oder andere Weise, in die Auslöschung der Energien, in die Hinfälligkeit der Entropie münden, in den Zustand der göttlichen Energie, die Unendlichkeit, Ewigkeit heißt, wo es kein Verfließen der Zeit mehr gibt. Diese Menschen sind in ihre Beschaffenheit von Kindern Gottes „gegangen“, befördert worden und haben Teil an der Art, wie Gott selbst sein ewiges Leben führt.

Freilich kann diese Sprache weder ohne weiteres an die Bevölkerung gerichtet noch am Fernsehen gepredigt werden. Aber die Christen müssen von ihr erfüllt sein. Genau deshalb muss es angesichts aller Fehlschläge in ihrem Leben das geben, was Paulus „die freudige Gelassenheit“ im Kapitel 4 des Briefes an die Philipper nennt. Nicht, dass sie mit den Weinenden nicht weinten. Nicht, dass sie mit den Trauernden nicht trauerten. Sie sind aber voll der heiteren Zuversicht, das Leben verlaufe umso kraftvoller in einer ungeahnten Verklärung weiter.

 

Natürlich ist man auf dieser Seite der Bühne total verloren, birgt man nicht tief in sich die Vorboten des Heiligen Geistes. Ist man aber gewohnt, mit dem Heiligen Geist zu leben, verspürt man keine Angst mehr für die Heimgegangenen. Und man ruft diese Vorboten in das Herz der Hinterbliebenen. Es gibt keine andere Lösung als die Erfahrung des Heiligen Geistes.

 

Außerhalb dieser Perspektive stolpert man über das Problem des Bösen und findet absolut nicht hinaus.

 

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Florin Callerand, «Das Drama der Welt», © 2012, p.27
Text ins Deutsche übersetzt von Marie-Françoise CHRISTEN

"Nul hiver ne désespère", CD Tissage d'or 5 (Communauté de la Roche d'or)