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Ich werde Ihnen von diesem großen und wunderschönen Text erzählen, der jedoch so viel Schaden angerichtet hat (Genesis 22:1...18).
Ich erinnere mich, dass ich in meiner Jugend Spiritualitätskurse gelesen habe, in denen von einem Gott die Rede war, der von uns verlangen kann, Dinge zu opfern, die uns wichtig sind. "Sieh dir Abraham an, er nahm seinen Kleinen, seinen geliebten, und ging fort, um ihn als Opfer darzubringen, so auch Sie, was Ihnen am teuersten ist, wenn Gott Sie bittet, zögern Sie nicht, es zu geben!" Und dieser Text aus der Genesis, dachte ich, das ist ganz normal, "weil Gott das sagt". Aber dann fragt man sich immer: "Gebe ich genug? Bin ich nicht geizig? Gebe ich meine Zeit her?" Die Beziehung zu Gott offenbart also Schuld: Wir machen uns Vorwürfe, weil wir nicht genug tun, weil wir nicht mehr tun. Dieser alttestamentliche Text hat also Schaden angerichtet, denn es ist, als ob Gott der Feind unseres Glücks ist.
Abraham war schon hundert Jahre alt, als der kleine Isaak geboren wurde. Sarah, nicht viel weniger, als die Engel zu ihr sagten: "Nächstes Jahr wirst du ein Kind bekommen". Und nun wird es kommen, dieses Kind, das sie nicht haben konnten; Gott schenkt es ihnen. Sarah wird schwanger werden und der kleine Isaak wird geboren, er ist Gottes Geschenk, die Verheißung der Zukunft.
Und nun sagt Gott zu Abraham: "Nimm dein Kind, dein einziges Kind, das du liebst, dein geliebtes Kind, und geh auf den Berg und bringe es mir als Brandopfer dar." Abraham hätte zu Gott sagen können: "Ich habe dich nicht darum gebeten, du hast es mir gegeben. Du nimmst die Freude aus unseren Herzen, das Licht aus unserem Leben... Du hast es uns gegeben, und jetzt nimmst du es uns weg?" Aber Abraham hat Gott immer vertraut, wenn er mit unmöglichen Situationen konfrontiert wurde. Wie die Schrift sagt: "Er nahm das Holz und legte es seinem Sohn auf"; die Kirchenväter werden sagen: "wie Jesus sein Kreuz trug". Und er geht zum Berg Moriah, was bedeutet: "Gott wird sehen". Der kleine Isaak geht neben seinem Vater, "die beiden gingen zusammen", und das Kind fragt: "Da ist das Holz für das Opfer, da ist das Feuer, da ist das Messer. Aber wo ist das Opfer, das wir Gott darbringen werden?" Oh! Abrahams Antwort: "Für das Opfer, für das Lamm, Gott wird sehen". Gott wird sehen... man ist schon am Fuß des Kreuzes in Jerusalem, "für das Opfer, Gott wird sehen."
Und wir kommen zu der Stelle, wo Abraham sein Kind nimmt und es festbindet. Unsere jüdischen Brüder nennen es nicht "Abrahams Opfer", sie nennen es "die Bindung Isaaks". Isaak ließ sich fesseln. Das Erstaunliche an diesem Text ist, dass der kleine Isaak sich bereits fesseln lässt, er lässt sich fesseln, um etwas zu tun, was er nicht kennt. Aber was er weiß, wenn er in das Gesicht seines Vaters schaut, dass er sich geliebt fühlt. Er fühlt sich so geliebt, dass derjenige, der sein Vater ist, ihm nichts antun kann. Und Abraham sieht im Gesicht seines Kindes diesen Blick des Vertrauens, dieses Loslassen, und er ist davon berührt, er beginnt sich zu verändern. Vorher war es sein Kind, es ist, als ob er sein Besitzer war und jetzt sieht er das liebevolle Gesicht seines Kindes, das dieses unermessliche Vertrauen in sich trägt. Er hatte noch nie dieses Licht in dessen Augen gesehen, dieses Gotteslicht. Abraham entdeckt, dass dieses Kind ihn liebt, und auch er beginnt, es zu lieben. Beide sind verändert. Vorher war es so, als wäre ihre Beziehung eine Beziehung wie bei allen: "Das sind meine Kinder, sie gehören mir, ich habe sie gemacht". Aber in diesem Moment entdecken sie beide diese Freude, die von Gott kommt.
Der kleine Isaak ist derjenige, der sich bedingungslos geliebt fühlt. Was ist ein Sohn? Was ist eine Tochter? Es sind nicht nur die, denen ich das Leben geschenkt habe, es sind die, die in ihren Gesichtern ein tiefes Vertrauen ausdrücken. Das ist es, was Jesus sagen wird: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr das, was ihr das Reich Gottes nennt, nicht sehen können". Abraham ist wie sein Sohn, er empfängt diese Güte von Gott, und es war sein Sohn, der ihn das sehen ließ, während er auf dem Altar lag. Er sieht etwas, das vom Himmel kommt, dieses unermessliche Vertrauen. Und Abraham spürt, dass er in sich die Fähigkeit zu lieben trägt, also sind beide auf der gleichen Ebene.
Was ist die Bedeutung dieses wichtigen Textes? Es bedeutet, dass Gott über unsere Bilder von Ihm sagt: "Ihr lasst mich leiden, ihr denkt, ich bin der Richter, der über eure Sünden Buch führen wird, der über euch wacht, und ihr werdet Rechenschaft ablegen müssen. Ihr macht euch Vorstellungen über mich und ich weiß nicht, wie ich es schaffen kann, Euch Eure Vorstellungen zu nehmen." Warum hat man diese Vorstellung von einem Gott, der uns alles abverlangt, uns alles nimmt, uns durch Prüfungen schickt, als ob er sehen will, ob man es schafft?
Gott sagt: "Wie kann ich Euch Eure Vorstellungen nehmen, die ihr über mich habt? Ich weiß nicht, wie ich Euch von diesen falschen Bildern befreien kann? Ihr seht mich als jemanden, der euch beobachtet, der euch unmögliche Dinge fragt. Nun, da ihr mich so seht, werde ich diese Rolle spielen, ich werde ein Verhalten an den Tag legen wie das, mit dem ihr mich unkenntlich macht, also mache ich mich zu jemand Grausamen: "Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, und dort wirst du ihn mir als Opfer anbieten".
Gott ist von den Vorstellungen anhängig, die wir von ihm haben. Aber in dem Moment, als Abraham Isaak den Hals durchschneiden will, sagt Gott: "Hör auf! Hör auf! Leg keine Hand an das Kind. Tu ihm nichts an!... Du hast mich dazu gebracht, diese Rolle zu spielen. Du siehst, was daraus entstand? Aber nein! Dein Kind, das du liebst: tu ihm nicht weh. Du hast mich früher angesehen und gesagt: Gott verlangt immer nach mehr. "Man muss ihm dies geben, man muss ihm das geben." Da ist diese Angst vor Gott und selbst wenn man ihm sagt, dass man ihn liebt, letztlich fühlt man sich nicht wohl bei ihm. Also muss Gott die Rolle spielen bis zu dem Moment, wo... "Nein, tu dem Kind nicht weh!"
Aber nein! Gott ist nicht jemand, der uns zwingt. Er kann uns nicht schaden. Gott ist der intimste, der liebevollste, und das auf eine kontinuierliche Weise.
Roger Robert
25. Februar 2018
Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz
"Marche humblement avec ton Dieu", CD Tissage d'or 4 (Communauté de la Roche d'or)
Um den Text des Liedes zu sehen "Marche humblement avec ton Dieu"
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