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In Lourdes hört man Maria sagen: Wollen Sie mir den Gefallen tun, HIERher zu kommen? Ich werde mich nur an dieses Wort erinnern: hier. "Hier" ist der Felsen von Massabielle. "Hier" ist die Quelle in Lourdes. "Hier" ist die Felsspalte, das ist Lourdes! Es stimmt, dass Lourdes ausgewählt wurde. Es stimmt, dass das Gelobte Land ausgewählt wurde. Der Messias wird nicht einfach irgendwo kommen. Es ist auch kein Ort, an den Abraham gehen wird. Er kommt dorthin, wohin er durch die Eingebungen Gottes, der zu ihm spricht, geführt wird. Es ist dieses Land, nicht ein anderes.
Aber bitte, tun Sie mir den Gefallen, hierher zu kommen! Wenn wir es wirklich wagen würden, uns auf die authentische Rekonstruktion des von Bernadette berichteten Ereignisses einzulassen, würden wir zweifellos "hier" in Großbuchstaben schreiben. "Wollen Sie mir den Gefallen tun, HIERher zu kommen?", sagte Bernadette in ihrem Bigourdan-Dialekt, um damit zu sagen, dass Maria an ihrer Stelle, an einem solchen Anziehungspunkt, "zusammenholt". HIER ist das Herz von Maria. HIER ist die Brust von Maria. Maria ruft uns zu sich. Fünfzehn Tage lang wird Bernadette HIER sein, in der Nähe von Maria, die sie ruft. Und Maria wird Bernadette imprägnieren, wie eine Mutter ihr Kind imprägniert, das in ihrem Schoß oder in ihren Armen ist, mit ihrer Wärme, ihrer Lebenskraft, ihrem Schutz, unter dem Schirm ihres Atems. Und der Kleine fühlt sich wohl, er wird getröstet, er wird anerkannt, er wird geliebt, und er beginnt viel mehr zu wachsen, als wenn er nicht "HIER" in den Armen seiner Mutter liegt.
So wuchs und reifte Bernadette, und nach fünfzehn Tagen hatte sie sich völlig verändert! Sie hat Fortschritte gemacht. Der Beweis dafür ist, dass sie alle ihre Mitschülerinnen und Mitschüler im Katechismus übertreffen wird. Man hatte sie oft fertig gemacht, sie war nicht in der Lage, die Katechismusfragen für die Erstkommunionprüfung zu beantworten. Nach den zwei Wochen wird sie mehr über Gott wissen, über das echte Leben der Gemeinschaft mit Ihm, unendlich mehr als alle Nonnen, als der Pfarrer Peyramale, als alle Pfarrer von Lourdes und auch als alle ihre Kameraden, denn sie war HIER.
In der dauernden Begegnung mit Maria, an diesem lebendigen Ort, "in ihrem Schoß", wie Grignion de Montfort und der heilige Maximilian Kolbe sagen, "in" Maria, die berühmte Präposition der tiefen Innerlichkeit mit Maria, empfängt man diese Formung zum Sohn Gottes, die Gemeinschaft mit Jesus, um mit ihm eins zu werden und in sein Schicksal einzutreten. Maria ist der Boden, auf dem der Same wächst und sein volles Maß erlangt. Man kann nicht ohne Maria auskommen...
Wollen Sie mir den Gefallen tun, für fünfzehn Tage HIERher zu kommen?
Vielleicht war es einfach die tiefe, unausgesprochene, unaussprechliche Aufforderung, die im Herzen eines jeden Exerzitien-Teilnehmers war... als er sich entschloss zu kommen, wusste er es nicht! Schauen Sie genau hin: Maria, die Mutter der Kirche, spricht alle Christen und alle Menschen an: Wollt ihr HIERher kommen? Man kann nicht ohne Maria auskommen.
Am 15. August feiern wir die Himmelfahrt Mariens, den Eintritt dieser kleinen guten Frau, sehr konkret und sehr lokalisiert in der Zeit, im Volumen und im Raum, in die göttliche Unermesslichkeit, in die göttliche Ewigkeit, in die Auferstehung des ewigen Sohnes Gottes. Dadurch wird Maria zu unserer Zeitgenossin. In Lourdes? HIER, im Heiligen Land, zu Hause, wo immer Sie sind, sagt Maria zu Ihnen: Willst du HIERher kommen?
Die Himmelfahrt Mariens ermöglicht einen unmittelbaren Kontakt mit ihr, so wie Bernadette Soubirous in Lourdes Kontakt mit ihr hatte, so wie Johannes, Maria Magdalena, Matthäus in Kapharnaum - weil Maria dort war - und all die anderen Kontakt mit ihr hatten. Das Ergebnis bei einer Bernadette Soubirous, einem Johannes, einer Maria Magdalena, einem Matthäus ist, dass die Durchdringung durch Maria sie zu dem gemacht hat, was sie geworden sind. Matthäus, ohne Maria, ist nicht Matthäus. Bernadette ohne Maria ist nicht mehr Bernadette. Johannes, ohne Maria... Lukas, ohne Maria... ist nicht mehr Lukas! Seien Sie vorsichtig! Auf Maria kann nicht verzichtet werden. Und dieses Phänomen der Begegnungen kann nur gelebt, ernst genommen werden, wenn wir die Intelligenz, das Warum und das Wie haben. Wenn Maria durch ihre Aufnahme in die Herrlichkeit, die sie den Zufälligkeiten von Zeit und Raum entkommen lässt, um meine Zeitgenossin zu werden, wie der auferstandene Christus und in Ihm, der mein Zeitgenosse ist, nicht in meinem Haus ist, ist es sicher, dass ich ihr nicht begegnen kann. Aber... zehnmal, zwanzigmal, hundertmal am Tag... sagt Maria aus meinem Inneren zu mir: Du kommst HIERher?
HIER, das ist sie! Hört zu, spitzt Euer Ohr, ihr Prädestinierten", ruft der heilige Louis-Marie de Montfort in seinem Geistlichen Lobgesang. Ich werde Ihnen etwas sagen, was Sie zunächst nicht glauben können: Ich trage Maria eingeprägt in mir, mit Zügen der Herrlichkeit! Sie trägt mich in ihrem Schoß! Die Innerlichkeit beruht auf Gegenseitigkeit!
Die Himmelfahrt Mariens macht sie zum Zentrum Gottes, im auferstandenen Christus, und zum Zentrum der Welt, zum Zentrum in mir, in dir, denn das Zentrum der Welt ist eins: Es ist ganz Gott für mich, ganz Gott für dich, ganz Gott für die Sterne. Es gibt keine äußeren Orte, es gibt keine Ausdehnungen. Gott ist ganz mit all seinen unzähligen Punkten, die es zu sehen, zu kennen und von innen heraus zu lieben gilt.
In dieser Innerlichkeit haben wir also die wunderbare Möglichkeit, Maria nach Belieben aufzusuchen, Tag und Nacht, wo immer wir sind, was immer wir tun! Es ist gut, von der Zeit des Evangeliums vor zweitausend Jahren zu träumen: Sie hatten Glück, diejenigen, die Maria begegneten! Sie hat Glück gehabt, Bernadette Soubirous! Aber wir haben genauso viel Glück wie Johannes und Maria Magdalena und mehr noch, soviel Glück wie Bernadette Soubirous und mehr. Auf jeden Fall liegt Bernadettes wahres Glück nicht so sehr am Fuße der Grotte, sondern in ihrem Herzen, wo sie das unmittelbare Echo der feinen Stimme empfängt, die zu ihr spricht. Das ist das Geheimnis von Bernadette. Das ist unser Geheimnis, und das ist es, was wir jeden Morgen zu Beginn unserer Eucharistie und unseres Tages leben, wenn wir langsam und tiefgründig die Weihe Mariens an Jesus lesen.
Florin Callerand
26. Januar 1988
Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz
"Marie de tous les jours", CD Tissage d'or 2 (Communauté de la Roche d'or)
Um den Text des Liedes zu sehen "Marie de tous les jours"
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