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Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Roger Robert
Veröffentlicht in : #Texte von Roger, #singen

Im Augenblick seines Leidens sagte Pilatus zu ihm: "Dann bist du ein König?" Jesus antwortete: "Mein Königtum ist nicht von dieser Welt." (Johannes 18,33.36)

Menschen, die ein Königreich haben, nennt man Könige oder Königinnen, und sie üben ihre Macht mit den Institutionen aus, die es in jedem Land gibt, es ist ein Dienst. Heute sind sie nicht unbedingt Könige und Königinnen, aber in vielen Ländern sind sie Staatsoberhäupter, die nur Mafiabosse sind. Sie nutzen die Macht, die sie offiziell haben, aber hinter ihnen steht die Macht, die sie durch Waffen haben. Und wenn sie ihren Platz für andere aufgeben sollten, weigern sie sich. Aber ob auf diese oder eine andere Weise, es gibt diese Aussage Jesu, die für uns wichtig ist: "Ich übe meine Macht nicht aus wie die Mächtigen auf ihrem Thron".

Die Mächtigen üben ihre Macht entweder dadurch aus, dass sie Menschen mit Waffen haben, denen man gehorchen muss, dann üben sie ihre Macht oft mit Gewalt aus. Aber es gibt noch eine andere Form der Macht, verschlungener, impliziter: Es ist die Macht, die viele durch Verführung ausüben. Manchmal sagt man es, oder man hört ihn sagen: "Nach allem, was ich für dich tue, du könntest dich trotzdem daran erinnern...". Die Menschen sind dann begierig darauf, Wertschätzung zu erfahren. Dies ist eine der Verführungen. Und diese Verführung liegt in der Wirtschaftsordnung, die wir haben, und in der Werbung, die es gibt. Die Menschen laufen allem Neuen nach und verlieren ihre Seele. Natürlich kann das Neue gut sein, aber im Moment ist es, als ob die Menschen abgelenkt werden. Alle diese Formen haben eines gemeinsam, alle: Es ist eine Art Seelenverführung.

Die Entführung der Seele ist, wenn wir von vielen Dingen, die uns gefallen, angezogen werden. Aber was ist in uns drin, abgesehen von diesem Rennen, abgesehen von diesem "noch dies, und wieder dies, und noch dies"? Diese Entführung der Seele, diese Verführung macht, dass die Menschen aufhören zu denken. Wir machen eine Zukunft für sie. Es ist, als würden sie von dem, was ihnen präsentiert wird, wie von Ferne gesteuert, es gibt keine Muße mehr, keine Zeit mehr, sich wirklich um sich selbst zu kümmern.

Jesus sagte zu Pilatus: "Mein Reich, mein Reich"... Jesus ist kein König wie die anderen mächtigen Menschen auf der Erde. Vielleicht müssen wir in uns selbst die Güte Gottes entdeckt haben, der uns ergreift, der uns bewahrt, um zu entdecken, was für ein Reich das ist. Es ist schwer, darüber zu sprechen, wenn man es nicht lebt. Die Güte Gottes, dieses Atmen, das ich habe, weil ich weiß, dass er da ist, dass er gut ist, dass er nicht aufhört, mich zu umgeben, egal in welcher Situation. Deshalb sagte Jesus zu Pilatus: "Wenn ich ein König wäre, wie die Könige dieser Welt, hätte ich eine Armee, Wachen... Aber mein Königtum ist nicht von hier".

Sie sagen: "Vater unser... Dein Reich komme!". Vielleicht haben Sie schon einmal diese intime, persönliche Situation erlebt, wenn jemand in Ihnen den ganzen Raum einnimmt? Es könnte für gute Dinge sein: "Ich liebe dich, und ich biete dir meinen ganzen inneren Raum, meine ganze Intimität an. Du herrschst in mir... Ich denke immer an dich". Dieses "Königreich", von dem wir sprechen, ist also Jemand, der mich liebt, der mich in mir liebt. Ich weiß es, ich entdecke es, ich höre nicht auf, zu ihm zu sagen: "Da bist du bei mir zu Hause." Jesus wird sagen: "Vater, du in mir und ich in dir." Dieses In-einander-sein, das in Gott existiert, ist uns durch seinen Geist-Atem gegeben, durch seinen Atem. Jesus wird uns nach ihm die Gabe seines brüderlichen Atems schenken.

Eines Tages war ein kleines portugiesisches Mädchen gerade in Frankreich angekommen. Ihre Eltern sprachen kein Französisch. Sie hatte es schneller gelernt, weil sie zur Schule ging. Und sie wollte ihre Erstkommunion feiern. Ich fragte die Kinder, die dort waren: "Warum wollt Ihr Eure Erstkommunion feiern? ». Dann antworteten sie mir auf Papieren alles, was ihnen zu Hause gesagt wurde: "besser zu sein", "keine Sünden zu begehen" ... Ein Haufen Unsinn!... Und diese Kleine hatte nicht die Worte der anderen. Sie hatte auf ihrem Papier geschrieben: "Ich möchte meine Kommunion machen, um die Luft Jesu zu atmen". Ich habe noch nie einen so starken poetischen Ausdruck gefunden, um das auszudrücken! Dieses kleine Mädchen sagte, sie braucht ihm nur ganz nahe zu sein und seine Luft zu atmen. Nun, genau das wird am Pfingsttag geschehen. Die Jünger werden in sich selbst die Luft, die Seele Jesu entdecken. Das ist so wichtig.

Eines Tages, als ich 13 Jahre alt war, erzählte uns ein Priester diese Worte eines muslimischen Sufi-Mystikers, der im 9. oder 10. Jahrhundert im Irak lebte: "Jesus, der für mich unentbehrlicher ist als die Luft, die ich atme". In diesem Moment begann ich also, meine Atemzüge zu zählen. Und anstatt mir einfach der Luft, die ich atmete, bewusst zu werden, begann ich mit jedem Atemzug, natürlich in meinem Innern, zu sagen: "Jesus, Jesus, Jesus, Jesus, der für mich unverzichtbarer ist als die Luft, die ich atme". Und nach und nach während ich dies tat, entdeckte ich, dass Jesus mir näher war. Vorher war er jemand, von dem mir erzählt wurde, den ich mochte, und ich ließ mich von ihm anziehen. Aber jetzt hatte ich gerade die Freundschaft Jesu entdeckt. "Jesus, der für mich unentbehrlicher ist als die Luft, die ich atme". Dadurch wurde eine neue Nähe hergestellt. Und zwar wegen der Worte dieses Muslims, der gekreuzigt werden sollte, gerade weil er durch die Gegenwart Jesu lebte.

Wer lässt dich leben? In wem lebst Du? Wer wohnt in Dir? "Mein Reich ist in euch", das Reich Gottes ist nicht außerhalb. Jesus hat diese Form immer abgelehnt, er will nicht König der Welt sein. Er will der König eines jeden Herzens sein, das Herz eines jeden. Wir können in Seiner Seele wohnen, und Er wohnt in unserer.

 

Roger Robert
14. April 2017

Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz

"Toi Jésus notre vie", CD Tissage d'or 3 (Communauté de la Roche d'or)