Overblog Alle Blogs Top-Blogs Religion & Glauben
Edit post Folge diesem Blog Administration + Create my blog
MENU
Blog von La Roche d'Or

Blog von La Roche d'Or

Gemeinschaft Roche d'Or in Besançon und Fontanilles

Veröffentlicht am von P. Florin Callerand
Veröffentlicht in : #Video, #singen, #Texte von Florin

In seinen langen Dankesbriefen an die Exerzitienteilnehmer schrieb Florin Callerand gerne "Meditationen am Faden des Evangeliums". Es war wie ein Reisetasche für den Alltag, voll mit Lebensmitteln, die unterwegs gegessen werden sollten, eine Thermosflasche mit Wasser aus dem Evangelium, um den Durst auf den Straßen unseres Lebens zu stillen.

Er hatte seinen Brief vom November 1995 überschrieben: "Immer aktuell 'Dominus vobiscum', 'der Herr ist mit euch'". Fünfundzwanzig Jahre später wissen wir , dass es immer weniger Leute gibt, die noch Latein können, so haben wir als Titel nur den ewigen und freudigen Gruß: "Der Herr ist mit euch" behalten.

Dieser Text, der sehr lang ist, wird Euch in drei Teilen vorgestellt. So werden wir uns mit ihm auf den Weg zu Christi Himmelfahrt machen. Vielleicht werden wir dieses Wort in der Stunde der Quarantäne-Lockerung und der Wiederaufnahme der Eucharistiefeiern auf eine andere Weise hören?

 

Danièle Valès

 

 

Erster Teil des Textes von Florin Callerand

 

Alle Christen eines bestimmten Alters erinnern sich an die häufige Verwendung dieser liturgischen Formel, die von den Priestern während der Feier der traditionellen Messen an die Gläubigen gerichtet wird. Der Grund, dass die Anzahl dieser Proklamationen reduziert wurde, liegt darin, der Versuchung zu entgehen, durch zu viele Wiederholungen in eine Routine zu verfallen, die ihre tiefe Bedeutung vergessen machen würde. Glücklicherweise kann man sagen, dass eine genügende Betonung aufrechterhalten wurde: von der Eröffnung der Liturgie bis zu ihrem Ende, über die Einleitung zum Evangelium und die Einleitung der Präfation. Dieses wichtige Wort der Kirche an ihre Kinder muss jedoch als Leitmotiv verstanden werden, das in allen Situationen des ganz gewöhnlichen Lebens nie vergessen werden darf, denn es gewährleistet eine echte Verwandlung: "Der Herr ist mit Dir".

 

Ohne diese Erleuchtung, die zur Erkenntnis führt, ist es unmöglich, einen gültigen Sinn des Daseins zu finden: "Woher komme ich, was tue ich, wohin gehe ich", alles Fragen, die ängstlich unlösbar sind, wenn der Mensch in der Einsamkeit, in seiner individualistischen oder kosmischen Blase eingeschlossen bleibt. Ohne das Bewusstsein der göttlichen Gegenwart in ihm, schöpferisch und rettend, gerät er, ob er es zugibt oder nicht, zwangsläufig in eine dramatische Ratlosigkeit, die man heute "Sinnverlust" nennt!

        

Die Zunahme der Suizide bei Kindern unter 12 Jahren oder eine ähnliche Tendenz, die bei Erwachsenen im Gebrauch von Drogen aller Art festgestellt wurde, wurde bereits angekündigt und spiegelte sich in all diesen Autoren wider, die ihre Verzweiflung zum Ausdruck bringen wollten. Ich denke zum Beispiel an Arthur Rimbaud, der 1866 sein traurigerweise bekanntes Gedicht im damaligen "Figaro" veröffentlichte: "Egal wo, egal wo, Hauptsache es ist außerhalb dieser Welt".

 

Die moralische Situation der Menschheit, das muss man anerkennen, hat sich trotz der enormen Fortschritte der Wissenschaft, die nicht in der Lage ist, die Menschheit wirklich zu retten, nur noch verschlechtert. Es scheint in diesem Zusammenhang sogar, dass die Religionswissenschaft, die zur Begegnung mit Gott hilft, wo immer er ist, lebt und handelt, in einem Zustand der Stagnation oder sogar des Rückzugs ist.

 

Auch wenn wir jetzt gut daran gewöhnt sind, das Geheimnis der begleitenden Gegenwart Gottes in allen Dingen zu leben, kann es für uns heilsam sein, uns an bestimmte Zeiten unserer vergangenen Existenz zu erinnern, in denen wir unter dem eisigen Eindruck der inneren Leere, in der wir nur unserem "Ich" begegneten, litten und diese Gegenwart Gottes vergaßen!

 

Wir müssen auch wissen, wie wir mit dem persönlichen Leiden so vieler Menschen von heute mitfühlen können, um ihnen zu helfen, den befreienden Weg zu gehen,  den wir selbst gegangen sind, und ihre Augen, Ohren und inneren Herzen zu Gott selbst in ihrem Inneren letztendlich öffnet.

        

Ich möchte daher einige dramatische Zeugnisse zitieren, die zumeist von Dichtern oder Gelehrten, aufrichtigen Menschen, gegeben wurden, die es wagen, zu schauen, zu analysieren und sich auszudrücken, als befänden sie sich auf einer Theaterbühne, damit jeder ihre eigene dunkle Erfahrung metaphysischer Einsamkeit sehen kann!

 

"Wir sind ohne Nachrichten,

ohne Nachrichten seit...

Wir sind ohne Nachrichten

ohne Nachrichten ganz allein.

 

Wir sind ohne Nachrichten,

ohne Nachrichten für uns...

Wir sind ohne Nachrichten

ohne Nachrichten von den Toten.

 

Wir sind ohne Nachrichten,

ohne Nachrichten von Hoffnung.

Wir sind ohne Nachrichten,

ohne Nachrichten von der Liebe.

 

Wir sind ohne Nachrichten von Gott!"

 

Dieser Text von Jean Mogin, der in unermüdlich wiederholten Worten das Fehlen einer lebenswichtigen Beziehung zwischen dem menschlichen Geschöpf und seinem Gott, die in seinem Herzen liegt, in Worte fasst, findet sich, wenn auch auf andere Weise ausgedrückt, in den Schriften jener zu vielen Menschen, die als Atheisten oder Agnostiker bezeichnet werden! Aber wir selbst, waren wir nicht, sind wir noch nicht so!

 

Und finden wir dort nicht, wenn man so sagen darf, die eigentliche Substanz dessen, was auf geheimnisvolle Weise Erbsünde genannt wird und in seinen Folgen immer gegenwärtig ist: der Sinnesverlust der Gegenwart Gottes, oder im Gebrauch von Bildern, die Verbannung aus dem irdischen Paradies, wo Gott und Mensch sich wie zwei vertraute Menschen verhielten! Als ob der Bach, der den Kontakt zu seiner Quelle verloren hatte, obwohl permanent da, auf einmal wie ein ausgetrocknet Bett ohne Wasser ist!

 

"Die menschliche Spezies wird vergehen, wie die Dinosaurier und die Stegozephale, schrieb Jean Rostand, ein Mann, der als einzige Erklärung des Universums nur den Zufall hat... Nicht einmal bleibt von uns, was vom Neandertaler heute übrig geblieben, höchstens ein Teil der Funde, die in den Museen seines Nachfolgers einen Platz gefunden haben... In dieser winzigen Ecke des Universums wird das klägliche und falsche Abenteuer des Protoplasmas für immer ausgelöscht werden. Niemand wird je wieder wissen, was es war!...

Das, so scheint es mir, ist die Botschaft der Wissenschaft".

 

Nach so vielen Behauptungen über die Verneinung Gottes kann selbst dieser ehrliche Mann nicht anders, als alles in Frage zu stellen, indem er am Ende seines Textes in einem urteilenden Tonfall schreibt: "so scheint es mir!"

 

In der Tat erfahren wir später, dass er einige Wochen vor "seinem Sterben", genau wie Jean-Paul Sartre und andere, wie Lacan, der Psychoanalytiker, vor seiner erstaunten Umgebung flüsterte: "Ich wünschte, es gäbe das NICHTS nicht!"

 

In der Tat zeigt sicht in diesem "es scheint" wie das Funkeln eines Sterns der Hoffnung, der noch nicht sehr hell leuchtet, aber ein helleres Leuchten verspricht. Wir können uns fragen, ob dieses Beben der inneren Instabilität, das nach Gleichgewicht und Festigkeit in einer zugrunde liegenden und geheimen Realität sucht, nicht die erste Resonanz des Hauchs Gottes selbst ist, der diesen Mann erschaffen hat, indem er ihn deutlich zur Existenz rief? Es ist, als ob der feste Boden unter den Füßen eines unstabilen Mannes, der taumelnd darauf geht, zu diesem Mann sagt: "Selbst wenn du fällst, werde ich da sein, um dich aufzufangen...", denn Gott liebt seine Geschöpfe. Die Begegnung muss also eines Tages voll bewusst werden, auch wenn die Verzögerung zu ertragen schwer ist, auf der einen wie auf der anderen Seite!

 

"Spät habe ich dich geliebt, schrieb der heilige Augustinus in seinen Bekenntnissen, oh Schönheit, so alt und so neu!

Spät habe ich dich geliebt! Du warst in mir und ich war draußen... Du warst bei mir, und ich war nicht bei dir. Die Kreaturen hielten mich von Dir fern, Kreaturen, die ohne Dich nicht existieren würden. Du hast mich gerufen und damit meine Taubheit gebrochen! Ich habe Dich gekostet, und ich bin hungrig und durstig nach Dir! Du hast mich berührt und ich habe für deinen leidenschaftlich Frieden gebrannt... Wenn ich mit Dir mit meinem ganzen Sein vereint bin, wird es für mich niemals Leid oder Trauer geben, und mein Leben, das voll von Dir ist, wird wahrhaft lebendig sein!"

 

Die ganze Menschheit muss dem heiligen Augustinus dankbar sein für die "Erkenntnis", die er auf den Spuren vieler Propheten und Psalmisten über den gottgefälligen Charakter dieser tiefen Suche, die in ihm wirkte, machen konnte. Er wird sogar in voller klaren Deutlichkeit schreiben: "O Gott, mein Herz ist unruhig, bis es in Dir ruht!"

 

In ähnlichem Sinn wurde der mystische Schrei schlechthin von einem Heiligen der französischen Schule der Spiritualität im 17. Jahrhundert, Kardinal de Bérulle, dem Gründer des Oratoriums, ausgesprochen: "Ich kann nicht ich sagen, o Gott, ohne Du zu sagen...!"

 

Das drückt die Deutung und das Gefühl aus, nach unserem stillen Wunsch nach Unendlichkeit und Unbegrenztheit , wenn der Priester am Altar mit dem liturgische Wort einleitet:

"Der Herr ist mit euch!"

 

Denn es gibt keinen Menschen, der behaupten kann, dass (ihm) das religiöse Problem nicht in seinen inneren Fragen auftaucht! "Wer bin ich? Was habe ich zu tun in der Welt? Warum bin ich da, wohin gehe ich, was ist mein Ziel?!

 

Genau dieses Problem Gottes, Ursprung, Begleiter und Endes jedes Menschen konzentriert sich wie in einem Wort, das Er uns sagt und das im Grunde bedeutet: "Willst Du Dein Leben mit mir leben?"

 

Wir fühlen in uns, unter dem Eindruck einer unwiederbringlichen Abhängigkeit, dass es in der Welt und in mir selbst nichts gibt, was nicht "angefangen hat...", und gleichzeitig fühlen wir eine Forderung nach Autonomie, wir streben nach Freiheit, wir könnten es nicht ertragen, in einer Zwangsjacke eingesperrt zu sein. Wir müssen, so abhängig wir auch sind, ständig wählen; unser Leben ist an unsere Entscheidungen gebunden, wir sind keine Sklaven, wir können viele Determinismen beherrschen, und wir behalten unsere Freiheit der Wahl und der Überwindung, wenn ein unerwartete Hindernis auftaucht!

 

Das religiöse Problem entsteht also in unserem Herzen, in dem Bewusstsein, das wir von uns selbst haben! Darin drückt sich für uns das allererste Wort dessen aus, der uns in der freien und unentgeltlichen Freiheit seiner Liebe erschaffen hat und uns so schon von Anfang an ein wenig Ihm ähnlich macht!

        

           

Florin CALLERAND

La Roche d'Or, 2. und 4. Oktober 1995

Zum Fest der Therese vom Kinde Jesu

und des Franz von Assisi.

© Copyright : “ La Roche d’Or ” 1995

 

 

Text ins Deutsche übersetzt von Michèle, Bernd Becker und Gabriele Socher-Schulz

Das Wasser, das aus den Wasserfällen von Fontanilles sprudelt, ein Strom der Frische im Moment!